Sonntag, 24. Juni 2018

Ligurien und Toskana Tag 10: Volterra und die typische Toskana

Nach dem Frühstück hieß es für uns heute leider Abschied nehmen von unseren sehr netten Gastgebern unseres schönen Appartments in Lucca. 
Auf den Tag freuten wir uns dennoch schon seit längerem besonders und zwar weil wir heute endlich die für die Toskana typische und von unzähligen Bildern und Gemälden bekannte Landschaft mit ihren Hügeln, akkurat in Linie gepflanzten Zypressen und malerischen alten Bauernhöfen durchfahren würden! 
Die Toskana
Der Geburtsort von Leonardo da Vinci

Für mich Sinnbild der typisch römischen Architektur.

Die Landschaft der Toskana mit ihren pastellfarbenen von der Sonne angestrahlten sanften Hügeln war einfach traumhaft!

Auf dem Weg zu dem, wie viele der Orte, hoch auf einem Hügel gelegenen Volterra.
Auf dem Weg zu unserem ersten Ziel, dem Dorf Volterra, passierten wir auch mit Vinci den Geburtsort des Genies Leonardo da Vinci, dessen visionären Konstruktionen und Ideen noch heute hunderte Jahre nach seinem Wirken für Staunen sorgen. 
In Volterra angekommen erkundeten wir zunächst einmal die hübschen Gassen des auf einem Hügel über der Landschaft thronenden Dorfes.
Empfehlenswert ist entsprechend auch eine Besteigung des Turms des Palazzo dei Priori, denn von dort oben hat man eine schöne Aussicht über die Dächer der Stadt bis hin zu den in der Ferne von der Sonne angestrahlten Feldern und den geschwungenen Hügeln der Toskana.
Die Überbleibsel der schwer beschädigten Kirche Santo Stefano aus dem 12.Jahrhundert.

Die massive Porta San Francesco war ein gutes Beispiel für den insgesamt sehr wehrhaften Charakter des Dorfes.

Der Piazza dei Priori. Hier war alles für das kommende Spektakel schon vorbereitet.

Toller Kerzenhalter im Palazzo dei Priori.

Einer der reich verzierten Innenräume

Der Ausblick vom Turm des Palazzo dei Priori in Richtung Norden reichte bis an den Horizont.

Blick hinab auf den Piazza dei Priori.

Das einzige noch erhaltene etruskische Tor, die Porta all'Arco 
Der Ort wirkte mit seinen oft hohen und an Burgmauern erinnernden Gebäuden ziemlich wehrhaft und man fühlte sich direkt ins späte Mittelalter zurückversetzt. 
Kein Wunder, dass die Autorin der Twilight-Saga diesen Ort als Heimat der altehrwürdigen und etwas finsteren Volturi-Vampire gewählt hatte!
Dies sorgt inzwischen natürlich regelmäßig für einen Ansturm von Fans, wenn die so genannten Twilight-Touren durch die Stadt veranstaltet werden. 
Heute jedoch am zweiten Juni war Nationalfeiertag und es fand in Volterra ein ganz anderes Spektakel statt!
Und zwar in Form von Ritterspielen samt Tauzieh-Wettbewerb. 
Das Ganze war ein ordentliches Spektakel,denn es startete um 16 Uhr mit dem Einzug der jeweiligen Mannschaften aus den einzelnen Stadtvierteln, die von zahlreichen Trommlern lautstark angekündigt wurden. 
Auf dem Platz stellte daraufhin ein Herold zunächst die Teams dem anwesenden "Adel" und dem Publikum theatralisch vor, bevor es galt, eine Art Holzburg samt Gewicht auf die jeweils eigene Seite mit dem Tau zu ziehen.
Dass dies nicht in andächtiger Stille von statten ging, sondern mit viel Geschrei und bei frenetischem Jubel des Publikums kann sich sicherlich jeder vorstellen!
Die Trommler kündigten lautstark die Ankunft der Tauzieh-Mannschaften an.

Auch der "Adel" von Volterra war vertreten.

Die Mannschaften stammten aus den einzelnen Vierteln des Dorfes und waren entsprechend unterschiedlich gekleidet.

Der Adel nahm seinen Platz am Festbankett ein und das Spektakel konnte beginnen.

Ein waschechter Herold der die Mannschaften vorstellte, durfte natürlich auch nicht fehlen!

Einzug der Teams in die Arena. Den hölzernen Turm rechts galt es auf die eigene Seite zu ziehen.

Sobald gebimmelt wurde ging es los!

Mann und Frau in den gemischten Teams legten sich mächtig ins Zeug, denn es ging um die Ehre ihres Stadtviertels.

Viele Tagestouristen hatten sich inzwischen rund um die Arena versammelt und feuerten die Teams mit an.

Einige Gebäude von Volterra wirkten fast selbst schon wie eine Burg.

Die Ruine des römischen Amphitheaters.
Als wir Volterra schließlich nach mehreren Stunden wieder verließen, stoppten wir noch einmal südlich kurz hinter dem Ort an einem Aussichtspunkt. Dieser war kaum zu verfehlen, denn hier hatte man, aus welchen Gründen auch immer, ein riesiges "O" aus Metall in der Landschaft platziert. 
Ob man dies nun als Kunst empfand oder nicht, sei jedem überlassen, der Ausblick von hier auf die von der Abendsonne in perfektes Licht getauchten Hügel der Toskana war jedoch ein Traum!
Das sanfte Licht der Nachmittagssonne setzte die Landschaft perfekt in Szene.

Stand das "O" für Volterra, die Toskana oder einfach nur dafür, dass einem bei der Landschaft der Mund offen stand? :-)
In dieser tollen Stimmung fuhren wir dann weiter überwiegend über kurvige Landstraßen bis zu unserer Unterkunft, einem wunderschönen alten Bauernhof aus dem 13. Jahrhundert samt Swimmingpool kurz vor Siena
Dort wurde nicht nur Touristen eine Herberge, beziehungsweise geräumige Appartments geboten, sondern man produzierte auch Wein, Grappa und Olivenöl - alles rein biologisch versteht sich. 
Eine Flasche des sehr guten Chianti erhielten wir von der netten und quirligen Besitzerin Lisa sogar als Willkommensgeschenk! 
Dieser schöne Bauernhof kurz vor Siena war unsere Unterkunft für die nächsten Tage.

Unsere eigene Terrasse samt Ausblick auf die Weinfelder der Toskana.

Hier wurde auch ein sehr guter Chianti gekeltert.
Als wir etwas später noch ein wenig auf unserer Terrasse den Blick auf die Toskana genossen, sorgten die Hunde des Hauses sowie zahlreiche ekstatisch quakende Frösche für einen lustigen Klangteppich.
Dieser verstummte jedoch dankenswerterweise später als wir uns auf den Weg ins Bett machten. Wir freuten uns bereits auf den morgigen Tag, denn dieser sollte uns erneut in die Hügel der Toskana führen.
Christian

Sonntag, 17. Juni 2018

Ligurien und Toskana Tag 9: Der Pania della Croce

Nachdem wir uns gestern bei unserer Stadtbesichtigung von Lucca weitestgehend auf ebenen Grund fortbewegt hatten, stand für heute primär die vertikale Bewegung an. Und zwar in Form einer Bergwanderung während der es circa 700 Höhenmeter für den Aufstieg auf den 1.858 Meter hohen Berg Pania della Croce zu überwinden galt. 
Die Wandertour, die ihr auch im Rother Wanderführer Toskana Nord als Tour 27 beschrieben findet, sollte insgesamt inklusive Rückweg fünfeinhalb Stunden in Anspruch nehmen.
Parkplatz und Startpunkt der Wanderung an der Capella Piglionico

Der Weg führte zunächst kontinuierlich bergauf durch diesen schönen Wald.
Entsprechend früh klingelte bei uns der Wecker, denn die Anfahrt von Lucca mit dem Auto bis zum Startpunkt der Wanderung bei der kleinen Capella Piglionico nahm bereits eine gute Stunde in Anspruch. Dort befinden sich relativ wenige Parkplätze und wir wollten davon unbedingt noch einen ergattern, um nicht noch länger als nötig laufen zu müssen.
Das Glück war uns frühen "Wander-Vögeln" in der Tat dann auch hold und so konnten wir unser Auto direkt bei der Kapelle abstellen, als wir diese gegen neun Uhr erreichten. 
Auf dem Weg dort hoch hatten wir zuvor noch ein Parkticket für drei Euro pro Tag an dem Automaten, ein paar Kilometer direkt neben der Straße mitten im Wald entfernt stand, gezogen. Hätten wir unser Auto aufgrund Platzmangels an der Kapelle dort parken müssen, wäre die Wanderung laut Wanderführer direkt mal geschmeidige zwei Stunden länger geworden!
Dennoch waren wir nicht die ersten und daher würde ich empfehlen, so wie wir am besten die Wanderung unter der Woche zu machen, wenn die italienischen Wanderer arbeiten müssen. 
Das traumhafte Wetter erhöhte noch unsere Vorfreude auf die Wanderung und sorgte später oben auf dem Berg für eine fantastische Weitsicht, tolle Farben und starke Kontraste. Ich frohlockte, denn dies waren beste Bedingungen für mich Hobbyfotografen und meine Kamera samt geliebtem Polfilter, der hier sicherlich nochmal einiges aus den Bildern rauskitzeln würde! 
Zunächst aber hieß es das Equipment samt Proviant und natürlich einen selbst ungefähr 500 Höhenmeter hinaufzuwuchten! Dabei führte der einfach zu findende Weg überwiegend durch dichten Wald. 
Blick hinauf am Ende des Waldes 

Das golden leuchtende Gras und der blaue Himmel sorgten für einen tollen Kontrast. Oben rechts bereits zu erkennen unser Etappenziel das Refugio Enrico Rossi.

Blick zurück auf den Wanderweg, der uns durch den Wald und später entlang des Hangs geführt hatte.

Das Refugio Enrico Rossi
Um so spannender war dann der Augenblick als sich kurz vor dem Refugio Enrico Rossi plötzlich das dichte Grün auftat und man über eine wunderschöne Bergwiese spazierte und dabei bereits den Ausblick auf die Berge genießen konnte!
An der kleinen Alm, die leider aufgrund der Nebensaison nicht geöffnet hatte, machen wir kurz Pause, denn die restlichen knapp 300 Meter Aufstiegt waren deutlich steiler und aufgrund eines Geröllhanges auch mit etwas Kraxelei verbunden. Richtiges Klettern war aber nicht nötig und trotz der Anstrengung war der Weg gut zu schaffen und nicht gefährlich. 
Nach dort oben, wo ganz klein das Gipfelkreuz zu erkennen war, mussten wir noch hinauf!

Ab hier wurde der Weg deutlich steiler und auch anstrengender.

Durch dieses Geröllfeld ging es teils etwas mühsam bergauf, allerdings ohne dabei klettern zu müssen.
Auf dem Bergkamm angekommen, wurden wir dann für unsere nicht geringe Transpiration und Stoßatmung, für die uns jede Lokomotive Anerkennung gezollt hätte, von einem phantastischen 360-Grad-Panorama belohnt! 
So bot sich uns ein Blick auf die anderen beeindruckenden Berge, die Marmorbrüche von Cararra, zahlreiche Städte und Bergdörfer und sogar bis hinab zur Küste von Massa. Nachdem wir dies alles in uns aufgesogen hatten und eine kleine Brotzeit in der Nähe des Gipfelkreuzes zu uns genommen hatten, machten wir uns wieder auf den identischen Rückweg und erreichten circa zwei Stunden später wieder unser Auto.
Oben auf dem Bergkamm angekommen mit Blick zurück auf den Weg durch das Geröllfeld rechts.

Von hier oben hatte man einen fantastischen Weitblick sogar bis zur Küste hinab!

Blick auf die Berge der Apuanischen Alpen im Norden

Auch die Marmorsteinbrüche von Carrara konnte man deutlich erkennen.

Unser Ziel, der Berggipfel des Pania della Croce war nun nicht mehr weit!

Angekommen und dem Himmel so nah! :-)
Auf der Rückfahrt nach Lucca legten wir noch einen kurzen Stopp im Kurort Bagni di Lucca ein, da dort sogar der berühmte Düsseldorfer Heinrich Heine weilte. 
Leider wollten uns die wenigen wirklich hübschen alten Häuser des Ortes, die teils auch etwas runtergekommen wirkten, nicht so recht beeindrucken. 
Aber eventuell lag das auch an dem Kontrast zu den Impressionen der Wanderung, von denen wir immer noch total geflasht waren! 
Daher macht euch am besten selbst ein Bild, wenn ihr die Zeit dazu findet.
Die Ponte delle Catene

Die alten Gebäude von Bagni di Lucca hatten durchaus ihren Charme, waren aber leider teils nicht gut Instand gehalten.

Das 1837 eingeweihte und erste Casino Italiens und ganz Europas!

Am Flussufer des Lima, über den zahlreiche Brücken die Ortsteile miteinander verbanden.

Im Eiscafé Il Monaco gönnten wir uns ein paar Kugeln.

Viele der Häuser wirkten zwar etwas runtergerockt, waren aber dennoch architektonisch interessant.

Eine Tafel an der Einfahrt zu den Thermen von Bagni di Lucca erinnerte an den Besuch Heinrich Heines.
Für den Rückweg bis nach Lucca benötigten noch eine gute halbe Stunde und es dauerte auch nicht lange bis wir, von der strammen Wanderung heute dann doch recht fertig, ziemlich schnell ins Bett fielen. 
Christian