Montag, 9. Juli 2018

Ligurien und Toskana Tag 11: Rundfahrt durch die Crete

Wie könnte ein Tag besser starten, als mit einem Frühstück auf unserer Terrasse mit Blick auf die von der Morgensonne illuminierten Hügel der Toskana! 
Auch das Wetter sorgte für einen perfekten Morgen und so machten wir uns nach dem Essen und zwei für uns als Gäste kostenlosen Nespresso-Kaffees auf die Fahrt durch die so genannte Crete bei strahlend blauem Himmel, der uns auch schon in den letzten Tagen begleitete.
Ein weiterer Tag in der traumhaften Landschaft der Toskana
Blick auf Siena mit seinem markanten Rathausturm

Die mit ihren typischen kargen weißen Flächen durchsetzte Landschaft der Crete Senesi
Kaum hatten wir die größeren Straßen hinter uns gelassen, waren wir direkt wieder verzaubert von der Atmosphäre der sanft geschwungenen und pastellenen Hügel der toskanischen Landschaft. Oben thronte dann oft noch ein schönes altes Bauernhaus oder eine Villa, deren Zufahrt meist von den typisch schlanken Zypressen markiert wurde. Das alles zusammen wirkte fast wie hin drapiert, nur mit dem Zweck einem vorbeikommenden Maler als Vorlage für ein Gemälde zu dienen! 
Zu sehr ablenken, beziehungsweise zu ständigen Fotostopps verleiten lassen, durfte man sich allerdings nicht, wollte man zumindest einige der für den Tag angesetzten Ziele - respektive Ortschaften erreichen. Und dies war verdammt schwer, denn im Grunde hätten wir am liebsten quasi hinter jeder Kurve für einen Fotostopp angehalten, da sich immer wieder neue Panoramen auftaten!
Bei dem kleinen Castello di Leonina, das inzwischen ein Hotel beherbergte, konnten wir aber nicht widerstehen und mussten einfach einen kleinen Abstecher die Zypressen-gesäumte Auffahrt hinauf machen. Von dort oben hatte man nämlich, wie von uns vermutet, einen schönen Blick auf die typische mit weißen kargen Stellen, den so genannten Biancane, durchsetzte Landschaft der Crete Senesi.
Das Castello di Leonina

Blick zurück entlang der Auffahrt zum Castello - wie so oft in der Toskana von schlanken Zypressen flankiert.

Hier fand gerade eine Hochzeitsfeier statt, natürlich stilecht mit Fiat 500.

Die Landschaft mit ihren bunten Pastelltönen wirkte wie einer Malerpalette entsprungen.

Regelrecht hinter jeder Kurve bot sich ein neues tolles Panorama!
Am Ende und mit "etwas" Verspätung schafften wir es schließlich doch noch in das kleine Dorf Asciano, das vor allem durch seine noch sehr gut erhaltene Stadtmauer beeindruckte. 
Auf der Weiterfahrt legten wir etwas später einen kurzen Stopp am Kloster Abbazia Di Monte Oliveto Maggiore ein. Leider war dies geschlossen und besonders viel gab es entsprechend nicht zu entdecken.
In Asciano

Toller antiker Brunnen auf der pittoresken Piazza del Grano

Die Fahrt ging weiter durch die Landschaft der unzähligen Farben und Formen

Das Kloster Abbazia di Monte Oliveto Maggiore
Ganz anders dagegen bei unserem nächstem Ziel, dem Dorf Montalcino, das auf einem Hügel hoch über den Feldern der Toskana thronte. 
Unser Auto stellten wir für 1,60 Euro die Stunde auf einem Parkplatz am Stadtrand ab. 
Hätten wir gewusst, dass die Parkplatzsituation hier relativ entspannt war, wären wir eventuell auch bis hoch an das Kastell herangefahren, denn dort waren sogar noch ein paar der ebenfalls kostenpflichtigen Parkplätze frei. 
Der mit vier Euro recht teure Eintritt in die gut erhaltene Anlage lohnte jedoch, da man von den Mauern eine perfekte Rundumsicht auf die Toskana und über Montalcino genießen konnte. Auf eine kostenpflichtige Weinprobe im Restaurant des Kastells verzichteten wir lieber aufgrund der Hitze und der Tatsache, heute noch unser Auto in heilem Zustand bis zurück nach Siena bewegen zu müssen. 
Wir unternahmen stattdessen lieber noch einen Rundgang durch die hübsche kleine Altstadt, deckten uns im Supermarkt mit Proviant ein und picknickten etwas später auf einem Parkplatz mit Blick hinauf nach Montalcino. 
Montalcino

Das gut erhaltene Kastell aus dem 14. Jahrhundert

Wer den Eintritt von vier Euro nicht scheute, dem bot sich vom Hauptturm und der Mauer ein toller Blick auf das Dorf und die Landschaft der Toskana.
Auf der weiteren Fahrt machten wir wie viele andere Touristen auch einen Fotostopp an der Brücke über den Triboli. Dieser super Spot war leider mitten an einer Landstraße gelegen und der Mangel an Parkplätzen und entsprechend wild, teils halb auf der Straße abgestellten Autos sollte bald zu einem mittleren Verkehrschaos führen. Dies rief leider auch sogleich die Carabinieri auf den Plan, die direkt mal ein paar saftige Strafzettel verteilten. Wir hatten glücklicherweise einen der wenigen offiziellen Parkplätze ergattern können und blieben unbehelligt. 
Der Fotostopp an der Brücke über den Triboli lohnte sich, denn er bot einem solch fantastischen Ausblicke.

Wo das Getreide noch nicht geerntet war, glänzte es golden in der Nachmittagssonne.

Gemälde oder Foto? :-)
Weiter ging es in Richting Siena zunächst bis nach Pienza, bevor wir unsere heutige Tour mit der Besichtigung von Montepulciano beendeten. 
Vom Turm des Rathauses sollte man angeblich einen schönen Blick über Stadt haben, leider war dieser nur bis 18 Uhr geöffnet und wir schafften es nicht mehr. 
Dennoch machte uns der abendliche Spaziergang durch die Stadt viel Spaß, denn sie  glänzte mit ihren zahlreichen Palazzi, dem weitläufigen Platz am Rathaus, dem Dom, sowie der beeindruckenden großen Kuppelkirche Madonna di San Biagio im Tal unterhalb des Zentrums. Diese tolle Kulisse sorgte dafür, dass der Ort auch bereits in diversen Filmen einen Auftritt hatte - unter anderem im "Der englische Patient" oder auch wie Volterra in der Twilight-Saga.
Blick auf das Val d'Orcia von der Promenade auf der Via S. Caterina in Pienza

In der Altstadt von Pienza

Die Gassen waren auch hier wie so oft schmal und die Häuser hoch gebaut.

Der Dom von Pienza aus dem 16. Jahrhundert

Montepulciano

Der Piazza Grande mit Blick auf den Palazzo Pubblico aus dem 14. Jahrhundert

Der schöne mit florentinischen Löwen geschmückte Brunnen in einer Ecke des Piazza Grande

Der Dom von Montepulciano

Die unterhalb des Dorfes gelegene Kirche Madonna di San Biagio
Unsere Unterkunft bei Siena erreichten wir schließlich erst wieder, als die Sonne bereits am Horizont verschwunden war, aber das war egal, denn in der Toskana war definitiv der Weg das Ziel!
Christian

Sonntag, 24. Juni 2018

Ligurien und Toskana Tag 10: Volterra und die typische Toskana

Nach dem Frühstück hieß es für uns heute leider Abschied nehmen von unseren sehr netten Gastgebern unseres schönen Appartments in Lucca. 
Auf den Tag freuten wir uns dennoch schon seit längerem besonders und zwar weil wir heute endlich die für die Toskana typische und von unzähligen Bildern und Gemälden bekannte Landschaft mit ihren Hügeln, akkurat in Linie gepflanzten Zypressen und malerischen alten Bauernhöfen durchfahren würden! 
Die Toskana
Der Geburtsort von Leonardo da Vinci

Für mich Sinnbild der typisch römischen Architektur.

Die Landschaft der Toskana mit ihren pastellfarbenen von der Sonne angestrahlten sanften Hügeln war einfach traumhaft!

Auf dem Weg zu dem, wie viele der Orte, hoch auf einem Hügel gelegenen Volterra.
Auf dem Weg zu unserem ersten Ziel, dem Dorf Volterra, passierten wir auch mit Vinci den Geburtsort des Genies Leonardo da Vinci, dessen visionären Konstruktionen und Ideen noch heute hunderte Jahre nach seinem Wirken für Staunen sorgen. 
In Volterra angekommen erkundeten wir zunächst einmal die hübschen Gassen des auf einem Hügel über der Landschaft thronenden Dorfes.
Empfehlenswert ist entsprechend auch eine Besteigung des Turms des Palazzo dei Priori, denn von dort oben hat man eine schöne Aussicht über die Dächer der Stadt bis hin zu den in der Ferne von der Sonne angestrahlten Feldern und den geschwungenen Hügeln der Toskana.
Die Überbleibsel der schwer beschädigten Kirche Santo Stefano aus dem 12.Jahrhundert.

Die massive Porta San Francesco war ein gutes Beispiel für den insgesamt sehr wehrhaften Charakter des Dorfes.

Der Piazza dei Priori. Hier war alles für das kommende Spektakel schon vorbereitet.

Toller Kerzenhalter im Palazzo dei Priori.

Einer der reich verzierten Innenräume

Der Ausblick vom Turm des Palazzo dei Priori in Richtung Norden reichte bis an den Horizont.

Blick hinab auf den Piazza dei Priori.

Das einzige noch erhaltene etruskische Tor, die Porta all'Arco 
Der Ort wirkte mit seinen oft hohen und an Burgmauern erinnernden Gebäuden ziemlich wehrhaft und man fühlte sich direkt ins späte Mittelalter zurückversetzt. 
Kein Wunder, dass die Autorin der Twilight-Saga diesen Ort als Heimat der altehrwürdigen und etwas finsteren Volturi-Vampire gewählt hatte!
Dies sorgt inzwischen natürlich regelmäßig für einen Ansturm von Fans, wenn die so genannten Twilight-Touren durch die Stadt veranstaltet werden. 
Heute jedoch am zweiten Juni war Nationalfeiertag und es fand in Volterra ein ganz anderes Spektakel statt!
Und zwar in Form von Ritterspielen samt Tauzieh-Wettbewerb. 
Das Ganze war ein ordentliches Spektakel,denn es startete um 16 Uhr mit dem Einzug der jeweiligen Mannschaften aus den einzelnen Stadtvierteln, die von zahlreichen Trommlern lautstark angekündigt wurden. 
Auf dem Platz stellte daraufhin ein Herold zunächst die Teams dem anwesenden "Adel" und dem Publikum theatralisch vor, bevor es galt, eine Art Holzburg samt Gewicht auf die jeweils eigene Seite mit dem Tau zu ziehen.
Dass dies nicht in andächtiger Stille von statten ging, sondern mit viel Geschrei und bei frenetischem Jubel des Publikums kann sich sicherlich jeder vorstellen!
Die Trommler kündigten lautstark die Ankunft der Tauzieh-Mannschaften an.

Auch der "Adel" von Volterra war vertreten.

Die Mannschaften stammten aus den einzelnen Vierteln des Dorfes und waren entsprechend unterschiedlich gekleidet.

Der Adel nahm seinen Platz am Festbankett ein und das Spektakel konnte beginnen.

Ein waschechter Herold der die Mannschaften vorstellte, durfte natürlich auch nicht fehlen!

Einzug der Teams in die Arena. Den hölzernen Turm rechts galt es auf die eigene Seite zu ziehen.

Sobald gebimmelt wurde ging es los!

Mann und Frau in den gemischten Teams legten sich mächtig ins Zeug, denn es ging um die Ehre ihres Stadtviertels.

Viele Tagestouristen hatten sich inzwischen rund um die Arena versammelt und feuerten die Teams mit an.

Einige Gebäude von Volterra wirkten fast selbst schon wie eine Burg.

Die Ruine des römischen Amphitheaters.
Als wir Volterra schließlich nach mehreren Stunden wieder verließen, stoppten wir noch einmal südlich kurz hinter dem Ort an einem Aussichtspunkt. Dieser war kaum zu verfehlen, denn hier hatte man, aus welchen Gründen auch immer, ein riesiges "O" aus Metall in der Landschaft platziert. 
Ob man dies nun als Kunst empfand oder nicht, sei jedem überlassen, der Ausblick von hier auf die von der Abendsonne in perfektes Licht getauchten Hügel der Toskana war jedoch ein Traum!
Das sanfte Licht der Nachmittagssonne setzte die Landschaft perfekt in Szene.

Stand das "O" für Volterra, die Toskana oder einfach nur dafür, dass einem bei der Landschaft der Mund offen stand? :-)
In dieser tollen Stimmung fuhren wir dann weiter überwiegend über kurvige Landstraßen bis zu unserer Unterkunft, einem wunderschönen alten Bauernhof aus dem 13. Jahrhundert samt Swimmingpool kurz vor Siena
Dort wurde nicht nur Touristen eine Herberge, beziehungsweise geräumige Appartments geboten, sondern man produzierte auch Wein, Grappa und Olivenöl - alles rein biologisch versteht sich. 
Eine Flasche des sehr guten Chianti erhielten wir von der netten und quirligen Besitzerin Lisa sogar als Willkommensgeschenk! 
Dieser schöne Bauernhof kurz vor Siena war unsere Unterkunft für die nächsten Tage.

Unsere eigene Terrasse samt Ausblick auf die Weinfelder der Toskana.

Hier wurde auch ein sehr guter Chianti gekeltert.
Als wir etwas später noch ein wenig auf unserer Terrasse den Blick auf die Toskana genossen, sorgten die Hunde des Hauses sowie zahlreiche ekstatisch quakende Frösche für einen lustigen Klangteppich.
Dieser verstummte jedoch dankenswerterweise später als wir uns auf den Weg ins Bett machten. Wir freuten uns bereits auf den morgigen Tag, denn dieser sollte uns erneut in die Hügel der Toskana führen.
Christian