Sonntag, 17. Juni 2018

Ligurien und Toskana Tag 9: Der Pania della Croce

Nachdem wir uns gestern bei unserer Stadtbesichtigung von Lucca weitestgehend auf ebenen Grund fortbewegt hatten, stand für heute primär die vertikale Bewegung an. Und zwar in Form einer Bergwanderung während der es circa 700 Höhenmeter für den Aufstieg auf den 1.858 Meter hohen Berg Pania della Croce zu überwinden galt. 
Die Wandertour, die ihr auch im Rother Wanderführer Toskana Nord als Tour 27 beschrieben findet, sollte insgesamt inklusive Rückweg fünfeinhalb Stunden in Anspruch nehmen.
Parkplatz und Startpunkt der Wanderung an der Capella Piglionico

Der Weg führte zunächst kontinuierlich bergauf durch diesen schönen Wald.
Entsprechend früh klingelte bei uns der Wecker, denn die Anfahrt von Lucca mit dem Auto bis zum Startpunkt der Wanderung bei der kleinen Capella Piglionico nahm bereits eine gute Stunde in Anspruch. Dort befinden sich relativ wenige Parkplätze und wir wollten davon unbedingt noch einen ergattern, um nicht noch länger als nötig laufen zu müssen.
Das Glück war uns frühen "Wander-Vögeln" in der Tat dann auch hold und so konnten wir unser Auto direkt bei der Kapelle abstellen, als wir diese gegen neun Uhr erreichten. 
Auf dem Weg dort hoch hatten wir zuvor noch ein Parkticket für drei Euro pro Tag an dem Automaten, ein paar Kilometer direkt neben der Straße mitten im Wald entfernt stand, gezogen. Hätten wir unser Auto aufgrund Platzmangels an der Kapelle dort parken müssen, wäre die Wanderung laut Wanderführer direkt mal geschmeidige zwei Stunden länger geworden!
Dennoch waren wir nicht die ersten und daher würde ich empfehlen, so wie wir am besten die Wanderung unter der Woche zu machen, wenn die italienischen Wanderer arbeiten müssen. 
Das traumhafte Wetter erhöhte noch unsere Vorfreude auf die Wanderung und sorgte später oben auf dem Berg für eine fantastische Weitsicht, tolle Farben und starke Kontraste. Ich frohlockte, denn dies waren beste Bedingungen für mich Hobbyfotografen und meine Kamera samt geliebtem Polfilter, der hier sicherlich nochmal einiges aus den Bildern rauskitzeln würde! 
Zunächst aber hieß es das Equipment samt Proviant und natürlich einen selbst ungefähr 500 Höhenmeter hinaufzuwuchten! Dabei führte der einfach zu findende Weg überwiegend durch dichten Wald. 
Blick hinauf am Ende des Waldes 

Das golden leuchtende Gras und der blaue Himmel sorgten für einen tollen Kontrast. Oben rechts bereits zu erkennen unser Etappenziel das Refugio Enrico Rossi.

Blick zurück auf den Wanderweg, der uns durch den Wald und später entlang des Hangs geführt hatte.

Das Refugio Enrico Rossi
Um so spannender war dann der Augenblick als sich kurz vor dem Refugio Enrico Rossi plötzlich das dichte Grün auftat und man über eine wunderschöne Bergwiese spazierte und dabei bereits den Ausblick auf die Berge genießen konnte!
An der kleinen Alm, die leider aufgrund der Nebensaison nicht geöffnet hatte, machen wir kurz Pause, denn die restlichen knapp 300 Meter Aufstiegt waren deutlich steiler und aufgrund eines Geröllhanges auch mit etwas Kraxelei verbunden. Richtiges Klettern war aber nicht nötig und trotz der Anstrengung war der Weg gut zu schaffen und nicht gefährlich. 
Nach dort oben, wo ganz klein das Gipfelkreuz zu erkennen war, mussten wir noch hinauf!

Ab hier wurde der Weg deutlich steiler und auch anstrengender.

Durch dieses Geröllfeld ging es teils etwas mühsam bergauf, allerdings ohne dabei klettern zu müssen.
Auf dem Bergkamm angekommen, wurden wir dann für unsere nicht geringe Transpiration und Stoßatmung, für die uns jede Lokomotive Anerkennung gezollt hätte, von einem phantastischen 360-Grad-Panorama belohnt! 
So bot sich uns ein Blick auf die anderen beeindruckenden Berge, die Marmorbrüche von Cararra, zahlreiche Städte und Bergdörfer und sogar bis hinab zur Küste von Massa. Nachdem wir dies alles in uns aufgesogen hatten und eine kleine Brotzeit in der Nähe des Gipfelkreuzes zu uns genommen hatten, machten wir uns wieder auf den identischen Rückweg und erreichten circa zwei Stunden später wieder unser Auto.
Oben auf dem Bergkamm angekommen mit Blick zurück auf den Weg durch das Geröllfeld rechts.

Von hier oben hatte man einen fantastischen Weitblick sogar bis zur Küste hinab!

Blick auf die Berge der Apuanischen Alpen im Norden

Auch die Marmorsteinbrüche von Carrara konnte man deutlich erkennen.

Unser Ziel, der Berggipfel des Pania della Croce war nun nicht mehr weit!

Angekommen und dem Himmel so nah! :-)
Auf der Rückfahrt nach Lucca legten wir noch einen kurzen Stopp im Kurort Bagni di Lucca ein, da dort sogar der berühmte Düsseldorfer Heinrich Heine weilte. 
Leider wollten uns die wenigen wirklich hübschen alten Häuser des Ortes, die teils auch etwas runtergekommen wirkten, nicht so recht beeindrucken. 
Aber eventuell lag das auch an dem Kontrast zu den Impressionen der Wanderung, von denen wir immer noch total geflasht waren! 
Daher macht euch am besten selbst ein Bild, wenn ihr die Zeit dazu findet.
Die Ponte delle Catene

Die alten Gebäude von Bagni di Lucca hatten durchaus ihren Charme, waren aber leider teils nicht gut Instand gehalten.

Das 1837 eingeweihte und erste Casino Italiens und ganz Europas!

Am Flussufer des Lima, über den zahlreiche Brücken die Ortsteile miteinander verbanden.

Im Eiscafé Il Monaco gönnten wir uns ein paar Kugeln.

Viele der Häuser wirkten zwar etwas runtergerockt, waren aber dennoch architektonisch interessant.

Eine Tafel an der Einfahrt zu den Thermen von Bagni di Lucca erinnerte an den Besuch Heinrich Heines.
Für den Rückweg bis nach Lucca benötigten noch eine gute halbe Stunde und es dauerte auch nicht lange bis wir, von der strammen Wanderung heute dann doch recht fertig, ziemlich schnell ins Bett fielen. 
Christian

Sonntag, 3. Juni 2018

Ligurien und Toskana Tag 8: Lucca

Da wir bisher schon zwei Nächte in Lucca übernachtet hatten, aber bislang nichts von der Stadt gesehen hatten, stand heute für den kompletten Tag eine ausgedehnte Stadtbesichtigung an. Und mindestens so viel Zeit sollte man dieser tollen Stadt auch widmen, um zumindest die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Ruhe ansehen zu können!
Eine der Besonderheiten von Lucca war, dass ihre komplett erhaltene Stadtmauer auf der gesamten Länge begehbar, beziehungsweise mit dem Fahrrad befahrbar war. Das absolute Highlight war jedoch ein Platz in der Altstadt, dessen Häuser rund um ein inzwischen nicht mehr existierendes Amphitheater gebaut worden waren und dadurch nun selbst wie eines wirkten. Mehr dazu später!
Auf dem Weg in die Altstadt kamen wir auch am sehr gut erhaltenen Acquedotto del Nottolini vorbei.
Nach einer knappen Viertelstunde Fußweg von unserer Ferienwohnung aus passierten wir zunächst die Stadtmauer durch die Porta San Pietro in der Nähe des Bahnhofes. Von dort erreichten wir nach kurzer Zeit die Piazza Napoleone, bevor es über die Piazza del Giglio bis zum Duomo di San Martino ging. 
Wir kauften uns zwei Tickets zu drei Euro pro Person für den Aufstieg auf den Glockenturm der Kathedrale, denn wir versprachen uns von dort oben einen schönen Ausblick auf die Stadt. Leider verhinderte diesen ein ziemlich engmaschiges Gitter, das vor alle Brüstungen gespannt war und was zudem auch das Fotografieren sehr schwierig gestaltete. 
Am Bahnhof von Lucca

Die gut erhaltene Stadtmauer von Lucca konnte man auch komplett begehen - entweder per Pedes oder Fahrrad.

Durch die Porta San Pietro betraten wir die Altstadt. 

Vor dem Theater auf der Piazza del Giglio

Ein halbiertes Haus :-)

Der Duomo di San Martino

Der Aufstieg im Glockenturm war unser erster Fitnesstest des Tages. Für den Rückweg nahmen wir das Seil! ;-p

Blick vom Glockenturm auf die Altstadt

Der markante Torre Guinigi mit seinen Steineichen auf dem Dach war unser nächstes Ziel.
Viel besser zum Fotografieren eignete sich dagegen der Torre Guinigi, den wir kurz darauf erklommen. So war dessen mit sieben Steineichen bepflanztes Dach komplett begehbar und bot dadurch einen uneingeschränkten Rundblick. Der Eintritt betrug vier Euro pro Person. 
Daher ist meine Empfehlung, solltet ihr euch das Geld und die Puste für den Aufstieg sparen wollen, statt auf den Glockenturm der Kathedrale, lieber gleich auf den Torre Guinigi zu steigen. Von dort oben konnten wir auch Dank der besonderen Form unser nächstes Ziel, die Piazza dell' Anfiteatro erkennen, die ich bereits eingangs erwähnt hatte. 
Wieder zurück auf normalem "Fußgänger-Höhenlevel", war es dann gar nicht mehr so einfach, einen möglichst direkten Weg durch die verwinkelten Gassen dorthin zu finden. Und auch von außen war die Formgebung nicht so markant wie aus der Vogelperspektive. Als wir uns jedoch im Inneren beziehungsweise auf dem Platz befanden, wurde uns bewusst, warum man sich wie in einem Theater fühlte. So wurde der ovale Platz lückenlos von zahlreichen hübschen alten Häusern eingerahmt, die selbst wie aus einer Theaterkulisse zu stammen schienen!
Der Blick vom Torre Guinigi verdeutlichte die Masse an Türmen, die aus der Altstadt von Lucca hervorragten.

Auch die Häuser des Piazza dell' Anfiteatro konnten wir bereits vom Turm aus ausmachen.

Der komplett von Häusern umschlossene Piazza dell' Anfiteatro beherbergte einst tatsächlich ein Theater.
Die unterschiedlich geformten und putzigen Häuser wirkten selbst fast wie eine Theaterkulisse!
Wir beschlossen in einem der dortigen Restaurants zu Mittag zu essen, um so noch etwas länger die ganz besondere Atmosphäre auf uns wirken lassen zu können. 
Ein knappes Stündchen später ließen wir uns weiter durch die Gassen treiben und landeten schließlich am Piazza San Frediano sowie der gleichnamigen Kirche und Piattaforma San Frediano mit Blick auf den schönen Park des Palazzo Pfanner
Unsere Stadtbesichtigung beendeten wir schließlich am späten Nachmittag an der Kirche San Michele im Zentrum der Stadt.
Blick auf den Garten des Palazzo Pfanner von der Stadtmauer aus. Im Hintergrund der Turm der Kirche von San Frediano.


Durstig oder hungrig musste in Lucca dank der zahlreichen Bars und Restaurants niemand sein!

Die Kirche San Frediano mit ihrem beeindruckenden Mosaik an der Frontseite.
Die im 12. Jahrhundert erbaute Kirche San Michele beeindruckte durch ihre schneeweiße Fassade aus Marmor.
Wer ein Faible für Schmuck oder hübsche Souvenirs hat, für den habe ich noch einen besonderen Tipp, nicht nur für Lucca, sondern für diverse Städte in Italien: Von Tedora, quasi dem italienischen Pendant zu Pandora könnt ihr teils sehr hübsche so genannte Charms von Sehenswürdigkeiten erstehen. 
So etwa gibt es den Piazza dell' Anfiteatro aus Lucca, den schiefen Turm von Pisa, das Rathaus von Siena oder die Ponte Vecchio in Florenz als Anhänger. Wenn ihr wie wir eine Rundreise macht, könnt ihr sehr zur Freude der Verkäuferin dann natürlich auch gleich mehrere Charms an eine Kette hängen! ;-)
Schaut einfach mal in die Auslage von Juwelieren oder etwas höherwertigen Souvenirshops wenn ihr in den Städten unterwegs sein solltet. Und keine Angst, solltet ihr es mal vor Ort vergessen haben: In der Regel bekommt ihr dort dann auch die Charms der Sehenswürdigkeiten aus anderen Städten. 
Christian

Donnerstag, 31. Mai 2018

Ligurien und Toskana Tag 7: Die Teufelsbrücke und eine Gratwanderung

Nach unserer ersten Nacht in Lucca stand für den heutigen Tag ein erneuter Besuch, genauer eine Wanderung in den Apuanischen Alpen auf der Agenda. 
Zunächst legten wir auf unserer Fahrt von Lucca gen Norden allerdings einen kurzen Stopp an der so genannten Teufelsbrücke bei Borgo a Mozzano ein. Der eigentliche Name der im 14. Jahrhundert über den Fluss Serchio erbauten Brücke war "Ponta della Maddalena". Den teuflischen Namen erhielt sie aufgrund der Legende, dass der Baumeister einen Pakt mit dem Teufel einging, um sie termingerecht fertigstellen zu können.
Der Teufel persönlich hob laut Legende den Brückenbogen mit seiner Gabel nach oben.

Die sogenannte Teufelsbrücke - eigentlich die Ponta della Maddalena bei Borgo a Mozzano
Der Teufel hob daraufhin in der Nacht mit seiner Gabel den Bogen, was zu der beeindruckenden Wölbung der Brücke führte. Der Pakt beinhaltete, dass dem Teufel die Seele des ersten, der die Brücke überschreiten würde, zustand. Also trieb man nach Fertigstellung sicherheitshalber zunächst ein Schwein über die Brücke. 
Die waren schon clever, die Italiener! ;-)
Unsere weitere Fahrt führte uns dann immer tiefer in die schöne Berglandschaft und am Dorf Castelnuevo di Garfagna vorbei, dem wir auf dem Rückweg noch einen Besuch abstatten wollten. Nach einer knappen Stunde erreichten wir das Dorf Vagli Sopra, den Ausgangspunkt unserer Wanderung, die ihr auch im Rother Wanderführer Toskana Nord als Tour 35 beschrieben findet. 
Unser Auto parkten wir auf einem der diversen kostenfreien Parkplätze im Ort. Dann ging es recht stramm, aber durch schattigen Wald gute 300 Meter bergauf, bis wir das Rifugio Campocatino auf 1.000 Metern erreichten. 
Die alten Steinhäuser des ehemaligen Hirtendorfes waren hübsch anzusehen und von dort oben hatte man einen tollen Ausblick auf Vagli Sopra und über das nördliche Ende des Dorfes bis hin zur Bergkette des Apennin.
Bis auf ein paar Ruinen waren die meisten Häuser restauriert worden und beherbergten inzwischen Urlaubsgäste, darunter auch so Berühmtheiten wie David Bowie, der hier vor allem auch wegen seines Hobbys - der Ornithologie - gern herkam und dem man auch gleich ein entsprechendes Denkmal gesetzt hatte. 
Die Wanderung startete hier im Dorf Vagli Sopra.

Zunächst ging es mehr als 300 Meter durch diesen Wald bergauf.

Als wir das Waldstück durchquert hatten, bot sich uns dieser tolle Ausblick.

Das Rifugio Campocatino bestand aus zahlreichen hübsch renovierten alten Steinhäusern.

Dem Musiker und Hobby-Ornithologen David Bowie setzte man sogar ein Denkmal, da er hier schon häufiger Gast war.
Doch unsere Wanderung war hier noch nicht zu Ende, denn unser Weg sollte uns noch weiter hinauf führen, wieder überwiegen durch Laubwald, bis zur Eremita San Viano. Hierbei handelte es sich um eine kleine, direkt in den Fels einer Steilwand geschlagenen Kapelle. Leider war sie jedoch verschlossen. Den Schlüssel bekam man laut Wanderführer wohl am Restaurant des Refugios, aber das war heute ebenfalls dicht. Das war aber nicht schlimm, denn viel interessanter für uns war der Ausblick, den man hatte, wenn man von hier noch etwas weiter ging. Allerdings sollte man dafür halbwegs trittsicher und schwindelfrei sein, denn es geht zunächst an einer Engstelle am Steilhang und später über einen ziemlich schmalen Grat mit Sicherung durch ein Stahlseil entlang bis zu einem exponierten, tollem Aussichtspunkt. 
An der in den Fels gebauten Eremita San Viano.

Wer trittsicher und relativ schwindelfrei war, konnte hier weiter bis zu dem Aussichtspunkt kraxeln.

Der Weg dorthin führte dabei über diesen schmalen Grat.

Auch hier in den Bergen wurde der Marmor abgebaut.

Blick auf das Refugio Campocitano während unseres Rückwegs.

Die berühmte Piaggio Ape (ital. Biene) kam auch hier noch zum Einsatz.
Auf gleichem Weg machten wir uns wenig später auf in Richtung unseres Ausgangspunktes. Insgesamt benötigten wir für die bis auf den anfänglichen Anstieg eher leichte Wanderung mit ausgedehntem Fotografieren circa vier Stunden. Wer nur wandern möchte, sollte sie aber durchaus in den im Wanderführer angegebenen drei Stunden schaffen.
Auf dem Heimweg nach Lucca am späten Nachmittag stoppten wir dann noch wie geplant im hübschen Castelnuovo di Garfagnana, dessen Stadtkern wie der Name es implizierte in der Tat einer Burg glich. 
An diesem Gebäude konnte man das römische Erbe deutlich erkennen.

Der Glockenturm des Doms von Castelnuovo di Garfagna.

Die Burg Rocca Ariosteca bewachte den inneren Kern des Ortszentrums in dem sich auch der Dom befand.

Blick auf die Ponte und die Porta di Castruccio, die den nordöstlichen Eingang zum Ortskern bildeten.
Auch die zahlreichen alten Gebäude wahren sehenswert und das Eis in der Gelateria Castelnuovo Garfagnana am Domplatz ein absoluter Traum und an für sich schon den Abstecher wert! :-)
Christian