Sonntag, 20. Januar 2019

Azoren Tag 12: Tschüss Sao Jorge! - Hallo Sao Miguel!

Heute war er leider schon da: Unser letzter Tag auf Sao Jorge, die genau so wunderschön wie ihre Schwester die Azoreninsel Flores war, aber doch ganz anders! 
Nach dem Frühstück und dem gar nicht so einfachen Verstauen aller Habseligkeiten samt Proviant in unserem Ford Fiesta, wollten wir eigentlich in die Berge fahren, da wir heute sogar in unserer Faja dos Cubres Sonne hatten. 
Adeus, geliebte Faja dos Cubres!

Die Wolken rollten bereits über die Berge und das Hochland.
Kaum oben an der Steilküste angekommen, machten die überraschenderweise dichten Wolken in der Inselmitte diesem Unterfangen leider jedoch den Garaus. 
So ist halt das Wetter auf Sao Jorge: Während es im Süden und auch teilweise in den Fajas an der Küste gern mal sonnig ist, bleiben oft in der Mitte an den hohen Bergen die Wolken hängen und es regnet entsprechend auch gern mal. 
Oder das Wetter ändert sich, Azoren-typisch, von einer Minute auf die andere - ins Gute wie auch heute leider ins Schlechte! 
Daher beschlossen wir auf die eher sonnige Südseite zu fahren und besuchten zunächst die Faja dos Vimes. Diese war jedoch eher unspektakulär und die für Europa einzigartige Kaffeeplantage samt Verkauf hatte leider geschlossen. 
Hübsches Natursteinhaus in der Faja dos Vimes

Die Faja war auch bekannt für ihre dortige Kaffeeplantage und -Rösterei samt Verkauf.

Traumhafte Aussicht vom Miradouro da Canada do Pessegueiro

Eine Landschaft wie ein Gemälde, vor allem wenn die Sonne beschloss auch noch vorbeizuschauen!
Also fuhren wir die Serpentinen die wir heruntergekommen waren wieder hinauf und tauchten erneut in den Nebel der Berge ein. Wir fuhren weiter auf der nach Osten bis in die erheblich schönere und pittoreske Faja Sao Joao
Hier strahlte uns die Sonne freundlich an und es hatte gefühlt 20 Grad mehr als in den Hochebenen durch die uns die Straße hierher geführt hatte! 
Von der Dorfbesichtigung und der Wärme durstig, ließen wir uns in der kleinen Snack-Bar Taberna Agueda an der Kreuzung nieder und gönnten uns eine eiskalte Cola. Eigentlich meldete sich auch bei mir das kleine Hüngerchen, aber zu Essen schien es dort nichts zu geben und ehrlich gesagt, selbst wenn, begeisterten mich die hygienischen Verhältnisse im Innenraum nicht besonders.
Blick hinab auf die Faja Sao Joao

Am Rand der Serpentinenstraße veranschaulichten zahlreiche Mosaike Szenen der Auswanderung früherer Zeiten.

Die meisten der Häuser in der Faja Sao Joao waren noch urtümlich und auch gut erhalten.

Die Natur und die Bauten bildeten oft eine schöne Symbiose.

Sogar Bananen wuchsen hier.

In der kleinen Taberna Agueda machten auch wir kurz Rast.

Die "Hauptstraße" im Dorf.

Viele der Grundstücke boten ein tolles Panorama auf das Meer und die Insel Pico im Hintergrund.

Der nordwestliche Teil der Faja Sao Joao
Sao Jorge schien heute Schabernack mit uns zu treiben oder wollte, dass wir wiederkommen, denn inzwischen machte sich bestes Wetter auf der Insel breit und man konnte sogar alle Vulkankegel in der Inselmitte sehen! 
Allerdings hatten wir davon kaum mehr etwas, denn wir mussten nun bereits zum Flughafen, um unseren Mietwagen abzugeben und um den Flug nach Sao Miguel um 16:20 Uhr zu bekommen.
Dieser erfolgte wie bisher immer pünktlich und unkompliziert und erreichten die Hauptinsel der Azoren wie geplant. Kurze Zeit später waren wir bereits in unserem neuen Mietwagen unterwegs zu unserer Unterkunft Quinta Sao Caetano in unmittelbarer Nähe schönen Praia do Populo bei Ponta Delgado
Es handelte sich um eine sehr gepflegte kleine Anlage  mit mehreren Ferienwohnungen und einem kleinen Haus, das wir gebucht hatten. Wir wurden mehr als herzlich von den Gastgebern, einem älteren Ehepaar in Empfang genommen fühlten uns direkt fast wie bei Freunden oder gar Verwandten aufgenommen. Dafür sorgte neben der Warmherzigkeit und Fürsorglichkeit der beiden auch noch der Willkommens-Teller mit frischen Bananen, Keksen, Marmelade, Kaffee und Tee, der auf uns in der Küche warte. 
Das Haus an sich war urgemütlich samt eigenem Kamin und hatte alles was man brauchte inklusive einer voll ausgestatteten Küche und sogar eine neuwertige Waschmaschine war vorhanden! Alles wirkte sehr sauber und stilvoll. 
"Gegenverkehr" auf Sao Jorge

Flugplatz mit Aussicht! Im Hintergrund der wolkenverhangene Vulkan der Azoreninsel Pico.

Unsere Unterkunft auf Sao Miguel, die Quinta Sao Caetano

Das gemütliche Wohnzimmer samt Kaminofen

Die große und gut ausgestattete Wohnküche
Etwas später deckten wir uns für die nächsten Tage im nahe gelegenen SolMar-Supermarkt ein, der recht gut sortiert war und von Obst über Wurst und Käse bis hin zu Hygieneartikeln alles bot, was man benötigte... inklusive des wohl zähesten Kalbfleischs aller Zeiten, das wir uns zurück in unserer Unterkunft zum Abendessen brieten! :-( 
Es schien wohl tatsächlich was an dem Gerücht dran zu sein, dass das gute Fleisch auf den Azoren primär für den Export bestimmt war! 
Ein kaltes Bier und der Maracujalikör, der hier auf den Azoren produziert wird, halfen uns aber ganz gut darüber hinwegzukommen...wobei der Likör für meinen Geschmack deutlich zu süß und zu wenig fruchtig war. Aber das Bier zischte auf jeden Fall wie Abbelsaft, wie der Hesse so sagt! ;-)
Christian

Mittwoch, 16. Januar 2019

Azoren Tag 11: Wanderung von der Serra do Topo bis zur Faja dos Cubres

Für heute hatten wir uns die Wanderung 49 aus dem Rother Wanderführer Azoren vorgenommen, die zu den schönsten Touren auf ganz Sao Jorge zählt! 
Der Weg sollte uns vom großen Parkplatz bei Serra do Topo hinab zur Faja da Caldeira de Cima führen und dann weiter entlang der Küste über die Faja da Caldeira do Santo Cristo und Faja do Belo bis “nach Hause“ zur Faja dos Cubres.
Zunächst ließen wir uns mit dem Taxi von John Moniz (Empfehlung unseres Gastgebers Bruno, Tel.: 00351-919577223 für 22 Euro) von der Faja dos Cubres bis zum Startpunkt kutschieren. John war super nett und sprach sehr gutes Englisch mit amerikanischen Einschlag. 
Das Wetter war glücklicherweise besser als gestern und nur leicht bewölkt. Die ersten hundert Meter legten wir zwar quasi noch in einer Wolke zurück, dann aber klarte es auf und uns eröffnete sich ein fantastischer Blick hinab in ein saftig grünes Tal und darüber hinaus sogar bis hin zum Meer. 
Zu Beginn des Weges wanderten wir regelrecht in mitten einer Wolke, die gerade über den Bergkamm zog. 

Kurz darauf begann es jedoch aufzuklaren und wir konnten das Tal erblicken, in das wir heute hinabsteigen würden.

Die Flora war wie überall auf den Azoren üppig und wirkte teils wie von einem anderen Planeten!

Wie so oft war auch heute der wunderschöne wie hier von Hortensien eingerahmte Weg das Ziel.

Die Wanderung war insgesamt trotz der Steigungen entspannt zu bewältigen, da es fast nur bergab ging, wobei wir circa 700 Höhenmeter überwanden. Erst am Ende unten an der Küste warteten noch ein paar kleine Steigungen auf uns. Unsere mitgebrachten Teleskop-Wanderstöcke leisteten uns auf dem teils rutschigen Untergrund erneut gute Dienste und wie immer galt auch hier, die Wanderung nicht unmittelbar nach oder gar im Regen zu machen. 
Wer bei heißem Wetter eine Abkühlung braucht, kann übrigens im Becken des Wasserfalls im unteren Teil des Tals prima baden. 
Die Szenerie entlang des Weges wechselte ständig. So ging es mal über bewachsene Bergkämme...

....mal durch regelrechte "Baumtunnel"...

...oder auch über offene Wiesen, von denen man aus immer wieder tolle Ausblick in das Tal und auf den Atlantik hatte.

Natürlich wurden wir auch heute wieder neugierig von den glücklicherweise zahmen Vierbeinern beäugt.

Im unteren Teil des Tals änderte sich erneut die Vegetation in teils dichten Wald.

Dieser schöne Wasserfall lud zum Baden ein!.
Auf Meereshöhe angekommen erwartete uns die Faja do Santo Cristo mit ihrer malerischen Lagune. Aufgrund der oft ordentlichen Brandung mit breiten Wellen befindet sich hier auch ein bekannter Surfspot.
Nach kurzer Rast marschierten wir weiter entlang der Küste auf dem einzigem Weg, den auch die Einwohner nutzen, was aber aufgrund der geringen Breite nur mit Quads oder Motorrädern möglich ist. 
Blick auf die Faja do Santo Cristo

In der Faja angekommen verdeutlichte die beeindruckende Steilküste, dass wir tatsächlich 700 Meter Abstieg hinter uns hatten.

Die pittoreske Faja war auch ein populärer Surfspot.

Hier schien sich die Natur ihr Territorium teils schon wieder zurückzuerobern.

Die Faja bestand aus nicht mehr als einem Dutzend Häuser.

Der weitere Weg führte uns in mehreren kleinen Steigungen und Kurven entlang der Küste.

Traumhafter Blick zurück auf die Faja do Santo Cristo
In “unserer“ Faja dos Cubres angekommen, begrüßte uns buntes Vogelgezwitscher. Daher machten wir sogleich noch einen Abstecher in das Naturschutzgebiet der Lagune, deren Seen man auf kleinen Stegen überquerte. Dabei kamen wir einer Entenfamilie ganz nah, die sich in keinster Weise von uns aus der Ruhe bringen ließ und konnten auch zahlreiche Möwen beim Fischen beobachten. 
Zusammen mit dem sanften Licht der Nachmittagssonne ergab das eine wunderbar friedliche Stimmung und war optimal, um den Tag ausklingen zu lassen. Denn obwohl wir bereits am Vormittag aufgebrochen waren, war es nun bereits früher Abend, da wir uns mit insgesamt sechs Stunden extrem viel Zeit für die Wanderung gelassen hatten. Die Strecke bot uns einfach so viele tolle unterschiedliche Eindrücke, die natürlich auch fotografiert werden wollten!
Wer sich auf das Wandern fokussieren möchte, schafft die Wanderung auch in circa drei Stunden. 
In der kleinen Snack-Bar Costa Norte im Ort zischten wir zur Belohnung noch eine Cola und ein, zwei Bierchen und trafen sogar noch unseren Gastgeber Bruno, der sich gerade fertig für die Abreise machte. 
Die einzige Zufahrts-"Straße" war so schmal, dass hier nur Motorräder und Quads fahren konnten.

Blick auf die Faja dos Cubres

Die schöne als Naturschutzgebiet gekennzeichnete Lagune

Wir wurden zwar genau beobachtet aber ohne jegliche Aufregung! :-)

Die wenigen Häuser der Faja drückten sich teils direkt in den Hang der Steilküste.

Diese kleinen Möwen waren gerade mit Fischen in der Lagune beschäftigt.

In der kleinen Snack-Bar Costa Norte im Ort gönnten wir uns noch etwas Gerstensaft zur Belohnung.
Nachdem wir etwas später die restlichen paar Meter nach Hause gelaufen waren, machten wir uns an die Zubereitung unseres Abendessens und brühten uns einen leckeren Tee aus der wilden Minze, die ich am Wegesrand gepflückt hatte. 
Solch eine perfekte Entspanntheit umgeben von wilder Natur, wie hier auf Sao Jorge in der abgelegenen Faja dos Cubres, war ein bisher einzigartiges und wunderbares Erlebnis!
Christian

Samstag, 12. Januar 2019

Azoren Tag 10: Wanderung hinab in die Fajas

Der heutige Tag startete leider bewölkt und mit Regen. 
Daher machten wir uns erstmal ein gemütliches Frühstück und planten was wir entsprechend mit dem Tag anfangen konnten. Wir entschieden uns für die Wanderung zu den Fajas do Norte (Rother Wanderführer Tour 47) von Norte Pequeno aus. Glücklicherweise blieb es dann auch den ganzen Tag trocken und das war auch gut so, denn bald darauf führte uns ein sehr schmaler und steiler Pfad die Steilküste hinab zur Faja do Mero
Unsere Wanderstöcke leisteten uns hier erneut gute Dienste. 
Vorher ging es jedoch zunächst einmal durch das kleine Dorf und entlang uriger kleiner, von Steinmauern umfassten, Weiden. 
Die Landschaft war wie immer auf den Azoren einfach nur zum Verlieben, selbst bei nicht ganz so tollem Wetter!

Als hätten sie auf uns gewartet! :-)

Kurz vor dem Abstieg hinunter zu den Fajas bot sich uns noch ein schönes Panorama auf den Atlantik und die Insel Graciosa im Hintergrund links.
Der Abstieg vollzog sich durch eine dichte Vegetation im Mix aus Wald, Büschen, Blumen und vor allem enorm viel wilder Minze. Während mir immer der Blumenduft auf Flores in Erinnerung bleiben wird, ist es auf Sao Jorge die Minze, die fast an jeder Ecke zu gedeihen schien! 
Auf den letzten Metern des Weges wurden wir bereits von den Bewohnern beäugt und dann auch von einer alten Dame direkt angesprochen. Was nun folgte kam für uns völlig überraschend.
Wir wurden auf einen Kaffee eingeladen und es war gerade die Schwester sowie deren Mann zu Besuch, die beide seit 49 Jahren in Toronto in Kanada lebten und direkt mit uns ins Gespräch kamen. Die alte Dame hatte zudem auch eine kleine Casa für Besucher zum Ansehen ausgestattet und wir blätterten uns durch ihr Gästebuch, das aus unzähligen eingeschickten Fotos ihrer Besucher bestand und teils sogar noch dazu Postkarten aus deren Heimatstädten, ob in Portugal, den Niederlanden oder auch viele aus Deutschland. Da sich die beiden Schwestern heute nach mehreren Jahren wiedersahen, machten wir natürlich ein Erinnerungsfoto von ihnen samt Schwager und schickten es ihnen nach dem Urlaub. 
Solltet ihr also auch dort vorbeischauen und werdet eingeladen, sucht gern nach Claudia und Christian im Gästebuch. 
Ja, da mussten wir nun komplett runter!

Der Weg war jedoch - zumindest im Trockenen - gut zu laufen.

Teils wurde aus dem Weg ein wilromantischer Pfad mitten durch die dichte Vegetation.

Kurz vor Ankunft an der Faja do Mero
Nach diesem tollen Erlebnis wanderten wir weiter vorbei an der Faja das Funduras bis zur Faja da Penedia an deren Brunnen wir Brotzeit machten. 
Von hier ging es zunächst bergauf, aber kurz darauf schon wieder alles Erklommene herab, denn wir machten noch einen Abstecher zur Faja das Pontas, von wo aus man ein tolles Panorama auf die Steilküste inklusive unserer Faja dos Cubres hatte. 
Die Faja da Penedia war sogar per Auto zu erreichen...wenn man sich das zutraute!

Als ich beim Spazieren kurz nach links blickte, entdeckte ich mitten zwischen den Büschen diese beiden Gesellen!

Wem die kleinen Dörfer auf Sao Jorge noch zu "turbulent" waren, der konnte hier unten in den Fajas seine absolute Ruhe finden.

Die teils winzigen Fajas hatten sich durch Erosion gebildet und lagen entsprechend direkt unterhalb der Steilküste.

Die "Straße" verwandelte sich bei Regen mit Sicherheit in eine ziemliche Schlitterpiste. Leider hatte sie wohl auch schon so manche Opfer unter den einheimischen Fahrern gefordert.

Toller Blick auf die Nordküste von Sao Jorge bei der Faja das Pontas
Von hier an hieß es schließlich die fast 500 Höhenmeter wieder hinauf bis nach Norte Pequena zu stiefeln! 
Dank der kleinen Schotterpiste gestaltete es sich jedoch relativ einfach, aufgrund der schwülen Luft jedoch auch ziemlich schweißtreibend. 
Während des gesamten Weges an Walnußbäumen, Brombeerhecken, Kastanien- und Feigenbäumen vorbeigekommen. Wahrscheinlich auch Walderdbeeren. Im Dorf angekommen zeigte sich nun sogar die Sonne und gab den Blick auf die Morgen noch wolkenverhangenen Vulkanhügel der zentralen Bergkette frei. 
Wir beschlossen das gute Wetter zu nutzen und uns noch die Faja do Ouvidor anzusehen. Diesmal jedoch nicht auf Schusters Rappen, sondern bequem mit unserem Auto. 
Quasi an jeder Ecke wartete ein Fotomotiv!

Wer sich während des Aufstiegs mal umdrehte, dem bot sich dieser fantastische Blick bis hin zur Faja de Santo Cristo.

Auf so eine Weide wäre die meisten der Tiere in Deutschland mehr als neidisch!

Angekommen zurück am Startpunkt der Wanderung in Norte Pequeno

Blick auf die Faja do Ouvidor, die nun am Nachmittag sogar von der Sonne angestrahlt wurde.

Der schön gelegene Friedhof der Faja

Zurück in "unserer"wunderschönen Faja dos Cubres
Am Abend zurück in unserem schnuckeligen Haus in der Faja dos Cubres beendeten wir den Tag mit Abendessen, Bier und Spielen genau so gemütlich wie er angefangen hatte.
Christian
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