Samstag, 22. Oktober 2016

Korsika Tag 8: Bergwanderung zum Lac de Nino

Auch für heute wollten wir die Tatsache ausgiebig nutzen, dass wir uns mitten in den Bergen und in einer der schönsten Gebiete Korsikas befanden.
So stand eine Tageswanderung im Niolo Tal zum Bergsee Lac de Nino mit einer geschätzten Zeit von circa  sechs bis sieben Stunden für Hin- und Rückweg an. 
Zunächst einmal mussten wir von Tralonca aus zum Startpunkt der Wanderung kommen. Die ungefähr einstündige Anfahrt artete - wie für Korsika üblich - in einer ordentlichen Kurverei auf der Straße D84 durch Schluchten und Serpentinen in Richtung Porto aus. Aber wie bereits erwähnt, kann das zumindest dem Autofahrer, der sich am Lenkrad festhalten kann, durchaus Spaß bereiten! ;-)
Ein Rudel wilder Hausschweine am Wanderparkplatz
Die Wanderung führte zunächst durch ein Waldgebiet.
In Richtung des Berges rechts im Hintergrund sollte der Weg noch führen.
Trittfestes Schuhwerk sollte man definitiv dabei haben.
Unser Auto parkten wir auf dem kostenlosen Wanderparkplatz am Skihotel Castel di Verghio auf circa 1.400 Meter. Die Wanderung sollte uns dann um fast 500 Höhenmeter hinauf bis zu dem auf knapp 1.900 Metern hoch gelegenen Bergsee führen. 
Zunächst aber beobachteten wir amüsiert die Horde wilder Hausschweine, die sich direkt am Skilift tummelten. Bereits bei der Anfahrt durch die Wälder begegneten uns immer wieder kleine Gruppen dieser Gesellen, die auch gerne mal die Straße überquerten. 
Die Wanderung führte zunächst eine Stunde recht gemächlich und auch eher unspektakulär durch ein Waldgebiet, bevor der Aufstieg zum ersten Pass, dem Bocca San Pedru begann. Ab hier wurden die Aussichten mit nahezu jedem Meter Weg immer spektakulärer, denn man folgte meist einem Bergkamm immer weiter hinauf und konnte dabei den Blick über die monumentale Berglandschaft und teils bis hinunter zur Küste schweifen lassen. Irgendwie musste ich dabei an die Reise der kleinen Hobbits in Richtung Mordor denken! :-) 
Hier oben blies ein ordentlicher Wind, dem so mancher Baum nicht mehr standhalten konnte.
Tolle Panoramen wie dieses boten sich auf fast der ganzen Wegstrecke.
Der Blick reichte teils bis hinab zur Küste!
Kurz vor dem höchsten Punkt der Wanderung änderte sich die Landschaft erneut.
Nach insgesamt zweieinhalb Stunden seit dem Start erreichten wir den mit fast 1.900 Metern höchsten Punkt der Strecke. Von dort ging es dann wieder ein kurzes Stück abwärts und schon bald tauchte der in der Sonne glitzernde Lac de Nino unterhalb von uns auf. 
Linker Hand grasten idyllisch ein paar Kühe auf weichem Gras, während sich im Hintergrund weitere Bergketten erhoben.
Unser Blick wanderte weiter entlang der Moorlandschaft, die mit vielen meist kreisrunden und Pozzines genannten Wasserlöchern regelrecht wie ein Schweizer Käse durchzogen war, bis hin zum anderen Ufer des Sees. Dort ließen sich zahlreiche Wanderer ganz nah mit den dort grasenden und offensichtlich gar nicht scheuen Wildpferden ablichten. 
Da wollten wir natürlich auch hin! 
Von hier ab ging es geradeaus wieder etwas abwärts in Richtung des Sees.
Auch den Kühen schien es hier oben zu gefallen! :-)
Wir haben unser Ziel erreicht: Der Lac de Nino
Der weiche und federnde Moorboden war durchzogen von teils kreisrunden Wasserlöchern, den so genannten Pozzines.
Also umrundeten wir nach dem Abstieg zum See diesen auf der linken Seite, nachdem wir das weiche und federnde Gras der Moorlandschaft überquert hatten. 
Bei den Pferden angekommen, war es ein einmaliges Erlebnis: Die eigentlich wilden Tiere störten sich keineswegs an unserer Anwesenheit und ließen sich sogar seelenruhig von uns streicheln, während sie beständig das frische grüne Gras fraßen. 
Wildpferd am Lac de Nino
Hier tummelte sich eine ganze Herde und genoss das frische Graß.
Die Tiere waren überhaupt nicht scheu und ließen sich beim Grasen sogar streicheln!
Den Tieren schlossen wir uns etwas später an und machten am Ufer des Sees Brotzeit, bevor wir uns gegen 14:30 Uhr wieder auf den Rückweg entlang der gleichen Strecke machten.
Nach knapp drei Stunden erreichten wir unser Auto, zugegeben etwas müde, waren aber von den fantastischen Eindrücken immer noch richtig geflasht.
Als wir uns auf den Rückweg machten, kam die Sonne raus und sorgte für eine fantastisch klare Sicht.
Blick in Richtung Rückweg. Im Hintergrund ist die Skipiste und das Hotel an unserem Wanderparkplatz zu erkennen.
Der Wind gab hier oben auf dem Bergrücken die Wuchsrichtung vor!
Neugieriger Geselle am Wegesrand
Generell schienen die meisten Tiere auf Korsika einfach so herum zu laufen und konnten ihre Freiheit genießen.
Neben der Wanderung durch das Restonica Tal war diese Tour die bisher schönste unseres Urlaubs und sollte in jeder Urlaubsplanung von wanderbegeisterten Korsikabesuchern nicht fehlen!
Christian

Freitag, 7. Oktober 2016

Korsika Tag 7: Das Restonica Tal und Corte

Morgenstimmung und Bergpanorama in Tralonca
Nach dem Frühstück in unserem tollen Appartement in Tralonca, genossen wir zunächst einmal die tolle Stimmung, die sich uns dort morgens mit dem Ausblick auf die teils noch Wolkenverhangenen Berge Korsikas bot und von kaum einem Geräusch gestört wurde. Etwas später fuhren wir dann mit dem Auto zurück in Richtung Corte, denn für heute stand eine Wanderung im bekannten Restonica Tal an.
Ab Corte ging es für circa 16 Kilometer weiter auf einer kleinen, sich in zahlreichen, durch die Schlucht windenden Kurven Straße bis zum bewachten Wanderparkplatz und war bereits schon ein Erlebnis!
Die Parkplatzgebühr betrug sechs Euro pro Auto und obwohl der Parkplatz recht groß ist, sollte man versuchen am frühen Vormittag zu kommen, wenn man dort noch einen Platz bekommen möchte, da die Wanderung sehr beliebt ist. Zudem ist der Aufstieg in der Morgenkühle auch angenehmer als beispielsweise in der Mittagshitze. 
Der Wanderparkplatz im Restonica-Tal füllte sich bereits morgens ziemlich schnell mit Autos.
An dieser Hütte startete der Wanderweg. Hier konnte man nach der Wanderung auch eine Kleinigkeit essen.
Blick hinauf ins Restonica-Tal. Der untere See und das erste Etappenziel lag auf dem Plateau zwischen den beiden Bergen.
Die für Hin- und Rückweg ungefähr vier bis fünf Stunden in Anspruch nehmende Wanderung war absolut atemberaubend und das frühe Aufstehen mehr als wert!
Zunächst ging es noch recht gemächlich bergauf zwischen imposanten Bergen beiderseits. Kurz hinter einer kleinen so genannten Bergerie (französisch für Schäferhütte) samt standesgemäßer Esel, die einen neugierig begutachteten, kam die erste Weggabelung und auch unsere erste Entscheidung: Links über einen Bach und den normalen Aufstieg nehmen oder rechts bleiben und sich auf den etwas spannenderen Aufstieg samt einer besonderen Stelle mit Kletter-Ketten und zwei kurzen aber steilen Leitern wagen. 
Natürlich suchten wir das Abenteuer und sind rechts hoch gewandert! :-)
Auf dem Rückweg nahmen wir dann den anderen Pfad, wodurch wir so auch beide Erlebnisse und Ausblicke genießen konnten.
Ich muss hier aber ehrlicherweise zugeben, dass beide Wege gut zu gehen sind und die "Klettereinlage" für jeden normalen oder auch ältere Wanderer absolut kein Problem darstellen!
Bei der Bergerie wurden wir von diesem Gesellen neugierig beäugt. :-)
Idylle pur
In der Nähe des ersten steileren Abschnitts samt Kletter-Ketten und Metallleiter
Ankunft am unteren See, dem Lac de Melo.
Nach circa einer Stunde Aufstieg ab der Bergerie erreichten wir den ersten der beiden Eisseen auf 1.711 Metern, den Lac de Melo. Sie werden als Eisseen bezeichnet, da sie in sechs bzw. acht von zwölf Monaten zugefroren sind! Entsprechend a...kalt sind diese auch, wenn man sich zumindest einmal mit den Füßen hineinwagt. Mir brannten diese danach regelrecht!
Wir marschierten wir weiter nachdem wir etwas gerastet hatten und nahmen den nun deutlich steileren Aufstieg - erneut wieder mit diesmal sogar zwei Kletter-Ketten-Einlagen - in Angriff zum zweiten und höher gelegenen Seef, dem auf ungefähr 1.900 Metern liegenden Lac de Capitello. Dieser ist nicht nur einer der höchst gelegenen Seen Korsikas, sondern auch mit über 40 Metern auch der tiefste.
Blick vom Lac de Melo hinauf in Richtung Lac de Capitello - umrahmt von über zweitausend Meter hohen Bergspitzen.
Der Lac de Capitello
Die Anstrengung des circa ein- bin eineinhalbstündigen Aufstiegs vom unteren See, lohnt aber aufgrund der zahlreichen spektakulären Panoramen, die man immer wieder schon während des Weges und vor allem oben am See hat, auf jeden Fall! 
So ist der Lac de Capitello umrahmt von turmartigen 2000ern und glitzert dabei türkis blau in der Sonne, wenn diese nicht gerade von Wolken verdeckt wird. ;-) 
Wer schon mal wie wir in Chile war, wird sich fast wie bei den Torres del Paine in Südpatagonien fühlen. 
Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen am Rande des Sees und machten Jause. Dabei umkreiste uns eine enorme Anzahl an Vögeln, die recht wenig scheu immer wieder neben uns und anderen rastenden Wanderern in der Hoffnung auf Futter landeten. 
Man fühlte sich fast an die "Vögel"  von Hitchcock erinnert. :-)
Hier ließ es sich verdammt gut aushalten! 
Blick hinab ins Tal beim Abstieg. Man erkennt bereits den Wanderparkplatz.
Nach weitere eineinhalb bis zwei Stunden Abstieg bis zum Parkplatz, beschlossen wir noch den Rest des Tages zu nutzen und Corte einen Besuch abzustatten.
Wir parkten am Anfang der Stichstraße, die ins Restonica-Tal geführt hatte und wanderten von dort hinauf in Richtung Zitadelle und Altstadt. 
Die Altstadt von Corte
"Sitzpalme" mit Aussicht
Blick vom Hügel der Altstadt auf die umliegenden Berge
Der hübsche Place Gaffory
Der imposant auf eine Felsnase gebaute Teil der Zitadelle von Corte wird auch "Adlernest" genannt.
Die Häuser und kleinen Plätze der Stadt waren hübsch anzusehen, aber das Highlight war definitiv die spektakulär auf einen Felsen oberhalb der Stadt thronenden Zitadelle!
Christian

Montag, 3. Oktober 2016

Korsika Tag 6: Sartene, Filitosa und Ankunft in Tralonca

Nach dem Frühstück fuhren wir in das Stadtzentrum von Sartene mit dem Auto und erkundeten dessen schöne alte Innenstadt. Sartene gilt zu Recht als einer der noch ursprünglichsten Orte auf Korsika, da hier der Tourismus bisher noch kaum angekommen zu sein scheint und man überwiegend Korsen in den Straßen begegnet. 
Den circa einstündigen Rundgang beendeten wir mit dem Besuch eines Bäckers und besorgten uns noch ein paar Teilchen und ein frisches Baguette für die Fahrt und machten uns dann auf nach Filitosa, das nördlich von Propriano gelegen ist.
Sartene
Wie für viele korsische Dörfer und Städte typisch, wirkte auch Sartene sehr wehrhaft.
Die Altstadt hatte teils schon fast den Charakter einer Burg.
Während der Rathausplatz noch entsprechend viel Raum bot...
...waren die meisten Gassen eher eng und verwinkelt.
Es waren nicht die drei Häuser dort, die uns interessierten, sondern das Freilichtmuseum zur korsischen Megalithkultur, die vor circa 4.000 Jahren dort ihren Höhepunkt hatte. Der Einritt betrug sieben Euro pro Person und für vier Euro erstanden wir zusätzlich einen gedruckten Führer. Neben einem kleinen überdachten Bereich befanden sich die meisten Exponate verteilt auf dem recht weitläufigen Gelände. Dabei handelte es sich überwiegend um alte Statuenmenhire, die teils noch gut erkennbare Gesichter hatten. Zusammen mit der an zahlreichen Audio-Stationen abgespielten Musik entstand eine fast schon mystische Stimmung und half einem neben den mehrsprachigen Erklärungen recht gut, sich in die Atmosphäre dieses ehemaligen religiösen Ortes hinein zu versetzen.
Einige der Menhire hatte noch gut erkennbare Gesichter.
Irgendwie herrschte hier - auch dank der Musikuntermalung an den Audiostationen - eine schon etwas mystische Stimmung.
Ein...äh..oder etwa doch nicht? :-)
Menhir in der Nähe des Eingangs
Der "Dinosaurier-Fels"
Das Gelände war recht weitläufig und die Sonne brezelte ordentlich auf den Kopf. Entsprechend freuten wir uns auf ein Kaltgetränk im Museumscafé.
Nach einer kurzen Mittagspause im Museumscafé ging es weiter hinauf in die Berge in Richtung Corte. Die Straße führte uns dabei entlang gigantischer Bergmassive quasi ins Zentrum Korsikas.
Einen kurzen Stopp legten wir beim Cascade Voile de la Mariée, dem höchsten Wasserfall von Korsika ein, den man zu Fuss in circa zehn Minuten vom Parkplatz aus erreichte. 
Im recht großen Corte, wo sich auch die einzige Universität Korsikas befindet, deckten wir uns später im großen Casino Supermarkt mit Vorräten ein, bevor wir uns auf die letzten knapp 10 Kilometer bis nach Tralonca machten. Dabei führte am Ende eine kaum für zwei Autos ausreichend breite Stichstraße, die sich abenteuerlich durch die Berge wand bis zu dem winzigen Ort, der regelrecht wie ein Adlerhorst auf einem Hügel thronte und auch entsprechend wehrhaft anmutete. 
Hübsche alte Brücke irgendwo am Wegesrand auf unserer Fahrt nach Corte
Der leider in unserem Fall recht trockene Wasserfall Voile de la Mariée
Das Bergpanorama entlang der Straße war fantastisch!
Wir fanden es immer wieder erstaunlich, wie vielseitig die Landschaft Korsikas mit ihren teils 2.000 Meter hohen Bergen und ebenso tollen Stränden war.
Wir passierten auch zahlreiche Bergdörfer, die sich in die Hänge schmiegten.
Will man das ursprüngliche Korsika kennenlernen, sollte man auf jeden Fall auch dem Gebirge rund um Corte einen Besuch abstatten. 
Ankunft in Tralonca, das wie ein Adlernest einsam auf einem Hügel thronte.
Unsere über AirBnB gebuchte Ferienwohnung spiegelte dann auch den pittoresken Charakter des Dorfes wieder. So befand sie sich in einem der alten Häuser am Rand des Dorfes und war dennoch modern und mit allem Komfort ausgestattet, den man brauchte. Das Beste aber waren die Raumaufteilung auf zwei Ebenen und die schmale Holzleiter, die man hinabsteigen mußte, wenn man vom Wohnzimmer in das Schlaf- und Badezimmer eine Etage tiefer gelangen wollte. Man fühlte sich dadurch fast wie in einem Burgturm! 
Unser "Mini-Haus"
Diese etwas abenteuerliche Leiter war die einzige Verbindung vom Schlafzimmer hinauf ins Wohnzimmer.
Als wir unsere Sachen auspackten, waren wir froh, uns bereits mit Nahrungsmitteln eingedeckt zu haben, denn hier oben gab es neben der guten Handvoll anderer Häuser lediglich eine kleine Dorfkneipe. 
Dafür aber besaß Tralonca eine einzigartige Atmosphäre, gepaart mit fantastischem Bergpanorama - vor allem morgens, wenn noch vereinzelt Wolken die Zweitausender umhüllten - und absolute Stille, die einen abends auf der Terrasse umgab. 
Wer also einmal Ruhe und Abgeschiedenheit sucht und trotzdem nicht auf eine gute Infrastruktur durch das nahe gelegene Corte verzichten mag, dem kann ich Tralonca nur ans Herz legen! Zudem, da man von hier aus gut die zahlreichen Wanderwege und Attraktionen in der Region mit dem Auto erreichen kann.
Christian