Mittwoch, 21. Juni 2017

Namibia Tag 6: Geisterstadt Kolmanskuppe, Tirasberge und Helmeringhausen

Während des Wachwerdens das Meeresrauschen zu hören und dann etwas später bei einem guten und sehr reichhaltigen Frühstücksbuffet im Nesthotel in Lüderitz den tollen Blick auf die Bucht zu genießen, war sicherlich nicht der schlechteste Start in einen Tag! ;-)
Eingang zur alten Minenstadt Kolmanskuppe

Bei der Anfahrt von Lüderitz blies der Wind den Wüstensand quer über die Straße - was durchaus bei hohen Geschwindkeiten gefährlich werden konnte, wenn sich dadurch Verwerfungen bildeten!
Unser Mietwagen reihte sich perfekt in die Riege ein.

Die alte und gut restaurierte Turnhalle. Von hier starteten auch die empfehlenswerten Führungen durch die Geisterstadt.

Auf der ehemaligen Bühne wurden nun die typischen Tiere Namibias inszeniert.
Für den heutigen Vormittag stand ein Besuch der nahe Lüderitz gelegenen Geisterstadt Kolmanskuppe an, die wir gestern auf dem Weg hierher passiert hatten. 
Den nötigen Permit hatten wir bereits über unsere Reiseagentur in Deutschland bestellt und so konnten wir direkt die Schranke am Eingang passieren. Es ist jedoch auch möglich, den Permit bei einer der Anbieter vor Ort in Lüderitz zu kaufen.
Natürlich gab´s auch ne Kegelbahn! :-)

Die Bahnen waren noch Top in Schuss und im Grunde bespielbar.

Seit fast 100 Jahren hing dieses Schild hier bereits.
Bei Kolmanskuppe handelte es sich um eine mitten in der Wüste erbaute Siedlung der deutschen Diamantenindustrie, die zu ihren Hochzeiten wie eine Art Las Vegas angemutet haben musste. So gab es hier alle damals nur erdenklichen Annehmlichkeiten wie ein Kasino, eine Bäckerei, einen Metzger, eine Kegelbahn und sogar eine Eisfabrik, die jedem Haus einmal am Tag kostenlos einen Block Eis für den Kühlschrank anlieferte!
Als jedoch die Ressourcen an Diamanten ausgebeutet waren, verlor Kolmanskuppe schnell an Bedeutung und es zogen immer mehr der Einwohner weg, bis es schließlich zu einer Geisterstadt wurde.
Die alte kleine Eisenbahn mit der Waren und das Eis aus der Eisfabrik an die Häuser ausgeliefert wurde.

Restauriertes Esszimmer im Stil der damaligen Zeit

Die Eisfabrik - jedem Haus wurde einmal am Tag kostenlos ein Eisblock für den Kühlschrank angeliefert.

Im Inneren der Eisfabrik

Ein Behälter für einen Eisblock

Alter Sicherungskasten
Die dort einzigartige Atmosphäre der im Sand begrabenen und teils verfallenen Häuser in typisch deutscher Architektur sind heutzutage jedoch definitiv eine Reise wert, vor allem dann wenn man sich bereits in Lüderitz befindet.
Für eine bleibende Erinnerung an Kolmanskuppe sorgte auch der starke Wind vor Ort, der den feinen Wüstensand auf dem ganzen Körper verteilte und vor allem auf dem eingecremten Gesicht besonders gut haften blieb! :-)
Solltet ihr wie wir eine Kamera mitnehmen, achtet auch darauf, eine Tasche oder Hülle mitzunehmen, um sie vor dem Sand, der leicht in alle Ritzen dringen kann, zu schützen.
Das wohl bekannteste Motiv von Kolmanskuppe

Das prunkvolle Haus des Stadtkommandanten

Blick aus dem Wintergarten des Hauses in Richtung Stadtzentrum von Kolmanskuppe

Die auf der namensgebende Kuppe über der Stadt errichteten Zisternen

Hier floss jedoch schon lange kein Wasser mehr.

Das Krankenhaus

Inzwischen ein sehr stiller Ort!

Wie in fast jedem Gebäude eroberte der Sand immer weiter sein Revier zurück.
Gegen Mittag brachen wir auf und begaben uns auf die Rückfahrt bis nach Aus und legten einen erneuten Zwischenstopp bei den Wildpferden ein. 
Und es lohnte sich, denn diesmal konnten wir dort neben den Pferden und Antilopen sogar eine große Herde Strauße entdecken. 
Erneuter Stopp an der Wildpferde-Tränke bei Aus.

Hier herrschte wohl etwas Unmut zwischen den wartenden Sträußen.
Kurz hinter Aus bogen wir von der toll ausgebauten Asphaltstraße nach links ab auf die Schotterpiste, die uns durch die Tirasberge hindurch und die nächsten 110 Kilometer bis nach Helmeringhausen führte. 
Der winzige und aus kaum mehr als einer Handvoll Häuser samt kleinem Supermarkt bestehende Ort mutetet fast schon wie eine Oase inmitten der bis zum Horizont reichenden Prärie an.
Wir checkten wie so oft auf deutsch im Hotel Helmeringhausen ein, dessen schöne Anlage im Stil einer Farm gehalten war und neben gepflegten Zimmern auch einen Campingplatz bot. 
Schotterpiste nach Helmeringhausen durch die Tirasberge. Glücklicherweise nicht unser kaputter Reifen!

Bei Helmeringhausen änderte sich die Landschaft noch einmal komplett.

Ankunft am Hotel Helmeringhausen

Es handelte sich um eine schöne Anlage im Stil einer Farm.

Unser geräumiges und sauberes Zimmer
Vor dem Abendessen spazierten wir noch etwas über das Gelände und genossen den Sonnenuntergang vom Aussichtspunkt auf einem nahe gelegenen Hügel, der eine fantastische Rundsicht bot. Auf dem Rückweg wurden wir von dem zahmen, zur Farm gehörigen Springbock abgefangen, vor dessen Verrücktheit uns schon das Personal gewarnt hatte. Wir durften dann auch am eigenen Leibe erfahren warum, als er uns mit seinen Hörnern an den Schienbeinen derart störrisch "liebkoste", dass man fast schon von einer Attacke sprechen konnte und es auch wehtat, da dieses kleine Mistvieh erstaunlich viel Kraft hatte!
Blick vom Hügel in der Nähe der Farm auf die Savanne in schöner Abendstimmung.

Angriff oder Kuschelversuch des Springbocks der Farm. :-)
Als wir später im Restaurant beim Abendessen saßen und ein leckeres Kudusteak verspeisten, dachten wir dann aber doch eher belustigt an dieses schräge Erlebnis zurück und unterhielten uns noch nett mit der deutschen Bedienung, die hier gerade ein Praktikum absolvierte.
Christian

Sonntag, 21. Mai 2017

Namibia Tag 5: Eine tolle Wanderung, viele Wildpferde und das pittoreske Lüderitz

Unser Tag im Desert Horse Inn in Klein-Aus begann perfekt mit dem wohl besten und reichhaltigsten Frühstück, das neben zahlreichen warmen und kalten Speisen dem Gaumen vor allem durch die selbst gebackenen Broten und köstlichen Küchlein Freuden bereitete. 
Wieder eines der riesigen Vogelnester, die wir das erste Mal in der Kalahari entdeckt hatten.

Die "Straße", die zu dem Startpunkt unserer Rundwanderung führte.

Hoffentlich hielt die Handbremse und keiner der Felsbrocken kam ins Rollen! :-)
Entsprechend glücklich aber ehrlich gesagt fast schon überfressen, checkten wir aus und fuhren mit dem Auto vom Haupthaus auf dem zum Hotel gehörigen privaten Feldweg bis zu den einige Kilometer entfernten einsamen Eagles Nest Chalets. Diese exklusiven Unterkünfte waren inmitten eines Felshanges und teils komplett um große Steine herum errichtet und somit perfekt in die Landschaft integriert. 
Dort stellten wir uns Auto ab und begaben uns auf die schwarz markierte zwei- bis dreistündige Rundwanderung namens "Mountain Trail". Weitere Informationen zur Wanderung, sowie eine Karte findet ihr hier.
Der Beginn des Weges war eine ordentlich Kraxelei einen Steilhang hinauf. Klettern musste man aber nicht können.

Auch hier fanden sich wieder riesige Quarzsteine.

Vom Pass des Weges auf dem Bergrücken bot sich ein fantastischer Ausblick!

Der Blick reichte bis in die Namib-Wüste...oder war dies doch schon der Mars?! ;-)
Unser Tipp: Wandert von den Eagles Nest Chalets aus direkt entgegen der markierten Richtung los. Dadurch beginnt der Weg zwar mit einem ordentlichen Anstieg, aber so steigt man das steilste, ziemlich geröllige und teils recht rutschige Stück hinauf, was definitiv einfacher ist, als es am Ende hinab stolpern zu müssen. 
Der Weg selbst - vor allem wenn man sich oben auf dem Bergkamm befand, bot als Gegenleistung für die anfängliche Anstrengung spektakuläre Ausblicke über die Steppe des Hochlandes sowie teils bis zur endlos scheinenden Namib Wüste. 
Der restliche Teil des Weg war eher einfach zu gehen und führte uns an einem mit Einschusslöchern durchsiebten Oldtimer vorbei, in dem sich angeblich Diamantendiebe eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hatten, die hier in der Geisterschlucht ihr Ende fand. 
Der von Kugeln durchsiebte Oldtimer in der Geisterschlucht.

Wir wurden ganz genau beobachtet!
Zurück am Auto fuhren wir wieder zurück bis zum Haupthaus der Lodge und bogen dann nach Links auf den Highway und in Richtung unserem heutigen Ziel, der 120 Kilometer entfernten Stadt Lüderitz ab. Nach knapp 20 Kilometern legten wir bereits jedoch unseren ersten Stopp ein und bogen rechterhand auf einen ziemlich holprigen Feldweg ab. Denn hier befand sich die weit und breit einzige Tränke für Wildpferde.
Deren Vorfahren hatten die deutschen Siedler und Soldaten nach Namibia gebracht und mit der Zeit entstand so ein der größten Wildtierherden in Namibia, die der extrem trockenen und kargen Landschaft seitdem trotzdem und sich natürlich um jeden Tropfen Wasser freuten. Entsprechend gut besucht war auch das künstlich angelegte Wasserloch inmitten der Steppe und so trafen wir dort neben den Pferden auch auf einige Oryxe und einen Trupp Strauße.
Ein guter Tipp, den wir auch von unserem Tourismusagenten in Windhuk bekamen: Nehmt auf jeden Fall die kurze wenn auch schaukelige Anfahrt in Kauf, denn man kann erst am Aussichtspunkt sehen, ob sich dort Tiere befinden, da die Tränke in einer vom Highway aus nicht einsehbaren Mulde liegt. 
Wenn man Glück hat, kann man dort laut seiner Aussage wohl bis zu hundert Wildpferde antreffen! 
Das künstliche Wasserloch in der Nähe von Klein-Aus war ein Segen für die vielen Wildpferde. 
Diese Früchte waren sehr beliebt bei den Oryxen.
Zurück auf dem Highway ging es durch die endlose Weite der Namib Wüste. Die Landschaft hier wirkte auf uns fast schon wie von einem anderen Planeten. Vor allem dann, wenn einem für über zwanzig Minuten kein einziges Fahrzeug auf der teils wie dem Lineal gezogenen Straße begegnete. 
Kurze Zwischenstopps legten wir an den drei mehr oder weniger verlassenen Bahnhöfen von Garub, Haalenberg und Grasplatz ein, um die herum es nichts aus Wüste gab. Aber im Freie aufhalten wollten wir uns bei der enorm trockenen und heißen Luft, die dort herrschte eh nicht besonders lange!
Eine Straße schnurgerade bis zum Horizont!

Der verlassene Bahnhof von Garub.

Vom Bahnhof Haalenberg zeugte nur noch ein Schild.

Wer auch immer diesen Bahnhof "Grasplatz" taufte, hatte definitiv Humor! 

Die Bahntrasse führte bis nach Lüderitz.
Sollte jemand von euch wie ich von der trockenen Luft schnell Nasenbluten bekommen, dem kann ich ans Herz legen ein Meerwasser-Nasenspray mit auf die Reise zu nehmen.
Nahezu unmittelbar hinter den Dünen der Wüste, die hier oft ihren feinen Sand über die Straße wehen ließen, was auch zu teils gefährlichen Sandverwerfungen und Hubbeln führen konnte, tauchten plötzlich die ersten Häuser von Lüderitz vor uns aus.
Nachdem wir getankt hatten, fuhren wir direkt erst einmal zu unserer Unterkunft, dem direkt am Meer gelegenen Nest Hotel und der Kontrast zu der staubtrockenen Wüste und dem nun glitzernden Wasser hätte kaum größer sein können! 
Nach dem Einchecken ruhten wir uns zunächst etwas von der Fahrt in unserem Zimmer mit Balkon und direktem Blick auf das Meer und auf die Felsenkirche von Lüderitz aus.
Die verlassene Diamantenminenstadt Kolmannskuppe passierten wir kurz vor Lüderitz.


Das direkt am Meer gelegene Nest-Hotel in Lüderitz.

Unser Zimmer mit Meerblick

Auch die bekannte Felsenkirche von Lüderitz konnten wir vom Balkon aus sehen.
Kurz darauf machten wir uns am späten Nachmittag auf, das pittoreske und 1883 von einem gleichnamigen deutschen Tabakhändler gegründete Lüderitz zu Fuß zu entdecken. 
Während unseres circa einstündigen und ohne besondere Route geplanten Rundganges durch die Altstadt beeindruckten uns die vielen oft noch sehr gut erhaltenen und auch bewohnten alten Gebäude im deutschen Kolonialstil aus dem Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Ähnlich wie in Windhuk und anscheinend typisch für namibische Städte waren jedoch auch hier die Straßen nahezu menschenleeren und man fühlte sich dadurch fast wie in einem Freilichtmuseum. 
Ohne die karge Landschaft am Rande der Stadt könnte man fast meinen, sich im Allgäu zu befinden!

Das "Glück Auf" an diesem Haus aus dem Jahre 1912 verwies auf den Ursprung des durch Diamantenminen reich gewordenen Lüderitz. 

Irgendwie mutete die solide deutsche Architektur der Häuser gepaart mit der unbefestigten Straße etwas seltsam an.

Äh, ja ok... :-)

Der Bahnhof von Lüderitz und die Schienen der Schmalspurbahn.

Gekegelt, gesungen und getanzt wurde hier offenbar zumindest früher sehr gern!

Die Lesehalle, daneben die alte Turnhalle von Lüderitz.

Sonnenuntergang am Meer mit einem kalten Hunters-Cider aus Südafrika. Was gibt es Besseres! ;-)

Die Felsenkirche bei Nacht von unserem Zimmer aus.
Zurück im Hotel zelebrierten wir auf der Terrasse zunächst den Sonnenuntergang mit einer Flasche eiskaltem Hunters-Cider, bevor wir gut und vor allem sehr reichlich im Hotelrestaurant zu Abend aßen.
Christian