Montag, 26. Juni 2017

Namibia Tag 7: Fahrt nach Sesriem, Sundowner-Safari und Barbecue in der Wüste

Der heutige Tag verlangte nach ordentlich Sitzfleisch, denn unser Ziel war das von Helmeringhausen circa 320 Kilometer entfernte Sesriem und die Strecke bestand ausschließlich aus Schotterpiste, was die Maximalgeschwindigkeit auf 60 bis 80 Stundenkilometer einschränkte. 
Auf dem ersten Teilstück unserer heutigen 320 Kilometer langen Tour bis nach Sesriem.

Obwohl weit und breit keine Siedlung sichtbar war, kam uns dieser einheimische Radler entgegen.

Neugierige Herde aus Kühen und Oryxen in einer Hochland-Steppe.

Hier konnte der starke Wind zusammen mit der rutschigen Schotterpiste ein Auto durchaus aus der Bahn bringen.

Traumhafte Farbkontraste!
Aber heute war auch der Weg das Ziel, denn dieser führte uns durch durch die interessante Berglandschaft des Namib Randpark und entlang einer traumhafte Hochland-Steppe mit golden in der Sonne glänzenden Gräsern und darauf grasenden Kuh- und Oryxherden. 
Dieses ausgebrannte Autowrack durfte nun als Kunstwerk sein Dasein fristen.

Wie so oft: Eine Straße bis zum Horizont.

Trotz der Trockenheit gab es vereinzelte Farmen, die am Horizont teils wie eine Fatamorgana anmuteten.

Ein Namibischer Zebrastreifen? :-)

Giraffen sollte man eigentlich bei dieser Landschaft auch ohne Warnschild bemerken.
Dieser Strauß leistete uns etwas Gesellschaft bevor er Gas gab und von Dannen rannte.
Als wir am Nachmittag in Sesriem ankamen, waren wir ehrlicherweise doch ziemlich platt - unsere Reifen Gott sei Dank nicht - und froh, für heute nur noch Entspannung auf dem Programm zu haben. 
Diese begann dann auch direkt mit der Ankunft im Desert Quiver Camp
Diese inmitten der Wüste errichte und sich perfekt in die Landschaft einfügende Anlage war einfach nur der Hammer!
Die erst 2015 neu erbauten und geräumigen Bungalows standen komplett frei und waren modern und sehr sauber. Das Beste aber war die eigene Grillstelle und Terrasse, die einen ungehinderten Blick auf die Wüste bot! 
Wir waren uns sofort einig, diese heute Abend auch zu nutzen und bestellten komfortabel über eine Liste diverse Fleischsorten, Brot, Salat sowie Grillholz samt Anzünder beim Hotel. Die Bestellung mussten wir dann nur vor 16:30 Uhr an der Rezeption abgeben.
Bevor wir zu der geplanten geführten Sundowner-Safari um 16 Uhr aufbrachen, entspannten wir uns noch etwas im Pool, der mitsamt einer Poolbar ebenfalls schön in die Landschaft integriert war und einen tollen Blick auf Landschaft bot. Trotz der Wärme der Wüste, war das Wasser aber ziemlich kühl, da die meist einstelligen Temperaturen in der Nacht den unbeheizten Pool entsprechend ordentlich abkühlten. 
Aber es war dennoch eine willkommene Erfrischung! 
Unser Bungalow im Desert Quiver Camp in Sesriem.

Ungehinderter Blick in die Wüste von unserer Terrasse aus.

Der moderne und schöne Innenraum samt offenen Bad im hinteren Bereich.

Pool mit bester Aussicht
Um 16 Uhr stiegen wir dann beim Haupthaus der Sossusvlei Lodge in einen der offenen Allradjeeps, um uns auf Sundowner-Safari durch die Wüste zu begeben. 
Der sehr nette Fahrer und Guide Gabriel spottete während der Fahrt zahlreiche Oryxe, Erdhörnchen und sogar einen Schakal für uns. Als die Sonne gegen 17 Uhr bereits sehr tief stand, stellten wir das Auto ab und Gabriel deckte für uns einen Tisch mit Drinks und zahlreichen Snacks ein.  
Wir hatten dabei das Glück, dass er eigentlich mit einer Gruppe aus insgesamt sechs Personen gerechnet hatte die jedoch alle nicht erschienen waren. Entsprechend viel zu viel Getränke und Snacks hatte er dabei und nach meinem dritten Bier lehnte ich ein viertes dann doch lieber ab, da wir ja auch noch ein paar hundert Meter wieder mit dem Auto von der Lodge bis zu unserem Bungalow selbst zurückfahren mussten. :-)
Die Safari ist wohl entsprechend beliebt, reserviert sie daher am besten über euren Reiseanbieter oder das Hotel online bereits von zu Hause aus.
Die Safari-Jeeps

Der schmale sandige Weg machte die Allradjeeps definitiv nötig.

Oryx-Antilope

Dieser Oryx hatte eins seiner Hörner wahrscheinlich in einem Kampf mit einem Nebenbuhler bei der Balz eingebüßt.

Erdhörnchen auf wachsamer Nahrungssuche.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir unseren Picknickplatz.

Unser netter Guide Gabriel zauberte sogar einen Tisch samt Decke und Deko, sowie kalte Getränke und diverse leckere Snacks aus seiner Kiste.
Zurück im Bungalow befanden sich unsere bestellten Grillsachen bereits eingeräumt in unserem Kühlschrank und die Kohle stand neben dem Grill bereit.
Eine Box mit allen nötigen Kochutensilien und Geschirr gab es für 300 Namibia Dollar Pfand an der Rezeption. Besser ging es nicht!
Also legten wir direkt mit dem Anfeuern des Grills los und etwas später grillte unser saftiges Fleisch über dem Holzfeuer.
Dies lockte dann auch prompt einen kleinen Wüstenfuchs an, der sich, gar nicht scheu, sogar bis fast an unserem Tisch herantraute. Etwas später vernahm ich ein leises Trappen neben dem Haus und auf einmal stand sogar eine ausgewachsene Oryx-Antilope neben uns!
Leider ergriff diese sofort erschrocken die Flucht, als ich mit einem Klicken meine Kameralinse öffnete, um sie zu filmen. 
Überraschungsgast auf unserer Grillparty.
Zu diesem tollen Erlebnis kam der wohl schönsten Sternenhimmel, den ich je in meinem Leben gesehen hatte, dazu. Denn dieser war so klar, dass man neben den zig-tausenden funkelnden Sternen sogar das schimmernde Band der Milchstraße erkennen konnte.
Was für ein perfekter Tag!
Christian

Mittwoch, 21. Juni 2017

Namibia Tag 6: Geisterstadt Kolmanskuppe, Tirasberge und Helmeringhausen

Während des Wachwerdens das Meeresrauschen zu hören und dann etwas später bei einem guten und sehr reichhaltigen Frühstücksbuffet im Nesthotel in Lüderitz den tollen Blick auf die Bucht zu genießen, war sicherlich nicht der schlechteste Start in einen Tag! ;-)
Eingang zur alten Minenstadt Kolmanskuppe

Bei der Anfahrt von Lüderitz blies der Wind den Wüstensand quer über die Straße - was durchaus bei hohen Geschwindkeiten gefährlich werden konnte, wenn sich dadurch Verwerfungen bildeten!
Unser Mietwagen reihte sich perfekt in die Riege ein.

Die alte und gut restaurierte Turnhalle. Von hier starteten auch die empfehlenswerten Führungen durch die Geisterstadt.

Auf der ehemaligen Bühne wurden nun die typischen Tiere Namibias inszeniert.
Für den heutigen Vormittag stand ein Besuch der nahe Lüderitz gelegenen Geisterstadt Kolmanskuppe an, die wir gestern auf dem Weg hierher passiert hatten. 
Den nötigen Permit hatten wir bereits über unsere Reiseagentur in Deutschland bestellt und so konnten wir direkt die Schranke am Eingang passieren. Es ist jedoch auch möglich, den Permit bei einer der Anbieter vor Ort in Lüderitz zu kaufen.
Natürlich gab´s auch ne Kegelbahn! :-)

Die Bahnen waren noch Top in Schuss und im Grunde bespielbar.

Seit fast 100 Jahren hing dieses Schild hier bereits.
Bei Kolmanskuppe handelte es sich um eine mitten in der Wüste erbaute Siedlung der deutschen Diamantenindustrie, die zu ihren Hochzeiten wie eine Art Las Vegas angemutet haben musste. So gab es hier alle damals nur erdenklichen Annehmlichkeiten wie ein Kasino, eine Bäckerei, einen Metzger, eine Kegelbahn und sogar eine Eisfabrik, die jedem Haus einmal am Tag kostenlos einen Block Eis für den Kühlschrank anlieferte!
Als jedoch die Ressourcen an Diamanten ausgebeutet waren, verlor Kolmanskuppe schnell an Bedeutung und es zogen immer mehr der Einwohner weg, bis es schließlich zu einer Geisterstadt wurde.
Die alte kleine Eisenbahn mit der Waren und das Eis aus der Eisfabrik an die Häuser ausgeliefert wurde.

Restauriertes Esszimmer im Stil der damaligen Zeit

Die Eisfabrik - jedem Haus wurde einmal am Tag kostenlos ein Eisblock für den Kühlschrank angeliefert.

Im Inneren der Eisfabrik

Ein Behälter für einen Eisblock

Alter Sicherungskasten
Die dort einzigartige Atmosphäre der im Sand begrabenen und teils verfallenen Häuser in typisch deutscher Architektur sind heutzutage jedoch definitiv eine Reise wert, vor allem dann wenn man sich bereits in Lüderitz befindet.
Für eine bleibende Erinnerung an Kolmanskuppe sorgte auch der starke Wind vor Ort, der den feinen Wüstensand auf dem ganzen Körper verteilte und vor allem auf dem eingecremten Gesicht besonders gut haften blieb! :-)
Solltet ihr wie wir eine Kamera mitnehmen, achtet auch darauf, eine Tasche oder Hülle mitzunehmen, um sie vor dem Sand, der leicht in alle Ritzen dringen kann, zu schützen.
Das wohl bekannteste Motiv von Kolmanskuppe

Das prunkvolle Haus des Stadtkommandanten

Blick aus dem Wintergarten des Hauses in Richtung Stadtzentrum von Kolmanskuppe

Die auf der namensgebende Kuppe über der Stadt errichteten Zisternen

Hier floss jedoch schon lange kein Wasser mehr.

Das Krankenhaus

Inzwischen ein sehr stiller Ort!

Wie in fast jedem Gebäude eroberte der Sand immer weiter sein Revier zurück.
Gegen Mittag brachen wir auf und begaben uns auf die Rückfahrt bis nach Aus und legten einen erneuten Zwischenstopp bei den Wildpferden ein. 
Und es lohnte sich, denn diesmal konnten wir dort neben den Pferden und Antilopen sogar eine große Herde Strauße entdecken. 
Erneuter Stopp an der Wildpferde-Tränke bei Aus.

Hier herrschte wohl etwas Unmut zwischen den wartenden Sträußen.
Kurz hinter Aus bogen wir von der toll ausgebauten Asphaltstraße nach links ab auf die Schotterpiste, die uns durch die Tirasberge hindurch und die nächsten 110 Kilometer bis nach Helmeringhausen führte. 
Der winzige und aus kaum mehr als einer Handvoll Häuser samt kleinem Supermarkt bestehende Ort mutetet fast schon wie eine Oase inmitten der bis zum Horizont reichenden Prärie an.
Wir checkten wie so oft auf deutsch im Hotel Helmeringhausen ein, dessen schöne Anlage im Stil einer Farm gehalten war und neben gepflegten Zimmern auch einen Campingplatz bot. 
Schotterpiste nach Helmeringhausen durch die Tirasberge. Glücklicherweise nicht unser kaputter Reifen!

Bei Helmeringhausen änderte sich die Landschaft noch einmal komplett.

Ankunft am Hotel Helmeringhausen

Es handelte sich um eine schöne Anlage im Stil einer Farm.

Unser geräumiges und sauberes Zimmer
Vor dem Abendessen spazierten wir noch etwas über das Gelände und genossen den Sonnenuntergang vom Aussichtspunkt auf einem nahe gelegenen Hügel, der eine fantastische Rundsicht bot. Auf dem Rückweg wurden wir von dem zahmen, zur Farm gehörigen Springbock abgefangen, vor dessen Verrücktheit uns schon das Personal gewarnt hatte. Wir durften dann auch am eigenen Leibe erfahren warum, als er uns mit seinen Hörnern an den Schienbeinen derart störrisch "liebkoste", dass man fast schon von einer Attacke sprechen konnte und es auch wehtat, da dieses kleine Mistvieh erstaunlich viel Kraft hatte!
Blick vom Hügel in der Nähe der Farm auf die Savanne in schöner Abendstimmung.

Angriff oder Kuschelversuch des Springbocks der Farm. :-)
Als wir später im Restaurant beim Abendessen saßen und ein leckeres Kudusteak verspeisten, dachten wir dann aber doch eher belustigt an dieses schräge Erlebnis zurück und unterhielten uns noch nett mit der deutschen Bedienung, die hier gerade ein Praktikum absolvierte.
Christian