Montag, 10. Juni 2013

Holland: Amsterdam Weekender

Was macht man, wenn man ein bewölktes langes Wochenende mit Brückentag vor sich hat und nicht gerade bis nach Venedig fliegen möchte?
Man orientiert sich einfach etwas nordwestlich von Düsseldorf und landet mit seinem Finger auf Amsterdam, dem "Venedig Hollands", dessen Lebensadern die unzähligen Kanäle, die sogenannten Grachten sind, die von noch mehr kleinen und großen Brücken überspannt werden. 
Bastion Hotel Amsterdam Centrum Zuidwest
Der ganz normale Fahrrad-Wahnsinn an einer Bahnstation
Mit der Tram vom Hotel sind es nur knapp zehn Minuten bis zum Leidseplein
Von Düsseldorf sind es mit dem Auto lediglich zwei Stunden Fahrt, außer es erwischt einen der fast schon obligatorische Stau vor Amsterdam, in den wir leider auch gerieten und so die Fahrt auf knapp drei Stunden ausdehnte. 
Unser Ziel für die nächsten zwei Übernachtungen war das Bastion Hotel Amsterdam Centrum Zuidwest, das hierfür seinen Zweck auch erfüllt, wenn einem Luxus nicht wichtig ist. Die Vorteile des Hotels sind, dass es meiner Meinung nach für Amsterdam mit ca. 80 € die Nacht erschwinglich ist und, obwohl es sehr verkehrsgünstig liegt, unser Zimmer dennoch ruhig war. Zum Einen erreicht man es mit dem Auto bequem über die Autobahn A10 und kann gegen Gebühr selbiges auf dem bewachten Parkplatz für 15 € die Nacht parken. Zum Anderen läuft man von dort nur ca. sieben Minuten bis zur Tramstation Surinameplein, und fährt dann mit den Tramlinien 1 oder 17 in das Stadtzentrum Amsterdams in weniger als 10 Minuten. 
Nachdem wir unsere Sachen im Zimmer deponiert hatten, machten wir uns enstprechend auch direkt nachmittags noch auf in die Stadt. 
Amsterdam ist eine dieser Städte, die einen direkt in ihren Bann ziehen! 
Zum Einen dank der wunderschönen, teilweise schon mehr als 300 Jahre alten Häuser und natürlich auch der in der Sonne glitzernden Grachten, zum Anderern aber auch durch die lebhafte Atmosphäre, der von unzähligen Touristen, Studenten und auch teilweise schrägen Gestalten bevölkerten Gassen, Kneipen und Coffeeshops. 
Tolle alte Häuser in der Nähe des Rijksmuseums
Das Rijksmuseum von Amsterdam
Zuerst ging es zum neu renovierten und beeindruckenden Rijksmuseum. Geht man von Seite der Grachten aus durch den langen tunnelartigen Torgang, steht man auf der anderen Seite plötzlich auf dem riesigem Museumsplatz (Museumplein) samt Springbrunnen und Kunstwerk-Installationen, läuft man weiter findet sich rechter Hand das Van Gogh Museum  und weiter hinten in Richtung Süden das ebenfalls schön anzusehende Konzertgebäude.
Der rückwärtige Teil des Rijksmuseums hatte was von Harry Potter :-)
A´ Dam
Kunstinstallationen dürfen hier natürlich nicht fehlen
Das Konzertgebäude am Ende des Museumplein hinter dem Rijksmuseum
Wieder zurück am Eingang des Reichsmuseums ging von dort über die Spiegelgracht mit ihren vielen kleinen Antiquitätenhändlern, die so manche Kuriosität im Schaufenster ausstellen nach Norden bis zum berühmten Tulpenmarkt bzw. Bloemenmarkt
Der Bloemenmarkt von der Rückseite gesehen
Nicht nur Tulpen, sondern auch Käse gibt es hier en Masse!:-)
Bummeln auf dem Bloemenmarkt
Kleine Tulpen, große Tulpen, rote Tulpen, blaue Tulpen, dicke Tulpen, dünne Tulpen....
In der Nähe des Bloemenmarkts machten wir dann erstmal im De Brabantse Aap Brotzeit. Dieser liegt auch unweit des Begijnhofs, in dessen ruhigen Inneren man einen entspannten Gegensatz zum Trubel der Stadt erfahren kann. 
Zahlreiche kleine Kunstateliers säumen die Strassen von Amsterdam
Was für Pfeifen! :-)
Kuriositäten noch und nöcher in den Schaufenstern der Spiegelgracht.
Der Begijnhof
Den Hunger und Durst erfolgreich bekämpft, setzten wir unsere Rundwanderung durch die Altstadt fort und stolperten dabei mitten in den Dreh eines deutschen Filmteams, das gerade eine Actionszene mit einem alten Ford Mustang vorbereitete. Als jedoch nichts explodierte oder sonstiges Spannendes nach zehn Minuten Wartens passierte, zogen wir weiter in südliche Richtung bis zum Stadhuis
Alter Ford Mustang bei einem Filmdreh
Typische Strassen(bahn)szene in Amsterdam
Kleine Gracht am unteren Ende der Rokin. Hier befindet sich auch das nette Bistro "De laatste Kruimel".
Von dort ging es dann wieder nach Norden die Kloveniersburgwal entlang, vorbei an der Waag und und dem Nieuw Markt bis ans nördliche Ende zum schönen Hauptbahnhof und schließlich über das Rotlichtviertel und die Oude Kerk zurück.
Die Waag am Nieuw-Markt

Nein, das sind keine Inka-Fahnen hier! :-)

Tolles altes Speichergebäude neben der St. Nicolaaskerk 
Für den nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen, die vielen Grachten mit dem Boot zu erkunden und kauften uns ein Tagesticket für 20 Euro für die Canal Bus Boote. Das gute daran ist, dass man beliebig oft die verschiedenen Linien nutzen kann, die auf jeweils ganz unterschiedlichen Routen durch Amsterdam fahren und man dadurch sehr viel zu sehen bekommt. Und so sind wir insgesamt fast vier Stunden die rote und grüne Linie nehmend Boot gefahren und hatten dank Sonne und offenem Verdeck danach beide einen kapitalen Sonnenbrand! :-) 
Schöne "Balkone" auf den Hausbooten....
....und nicht gerade vertrauenserweckende Anbauten.
Alte Speicher, die zu Wohnhäusern in toller Lage umgebaut wurden.
Aber das war es wert, denn neben ganz vielen tollen alten Speicher- und Wohnhäusern, teils noch aus dem 16ten Jahrhundert, fuhren wir u.a. vorbei an der Hermitage Amsterdam, am bei allen Promis dieser Welt beliebten Amstel Hotel, durch das Hafenbecken und statteten dem Nemo-Gebäude einen Besuch ab. 
Das Nemo
Zugbrücke in der Nähe der Hermitage Amsterdam
Zwei Häuser aus dem 16ten Jahrhundert: Die Arche Noah und das Fortujin
Das berühmte Amstel Hotel
Auch die Westerkerk und das Anne-Frank Haus, das Rijksmuseum, der Hauptbahnhof, sowie die runde Lutherkerk lagen auf unserer Route. Oft fuhren wir dabei durch viele schon über 100 Jahre alte Schleusen, die früher den Wasserpegel der Kanäle geregelt hatten, heute jedoch nur noch drei mal die Woche benutzt werden, um die Kanäle mit Frischwasser aus dem Meer durchzuspülen. Wer möchte, kann die Boote auch für die "hop-on /hop-off"-Taktik benutzen und sich damit zu den meisten Sehenswürdigkeiten bringen lassen - allerdings muss man dann eventuell mit einem nicht ganz so guten Sitzplatz vorlieb nehmen, da die Boote oft recht voll sind. 
Das "Eye" im Hafenbecken
Auch moderne Architektur kann durchaus interessant sein!
Die Westerkerk in der Nähe des Anne-Frank-Hauses
Nach der Bootsfahrt sogen wir die tolle Stimmung Amsterdams in uns auf und saßen draußen auf der Terasse der Kneipe direkt in der alten Sluyswacht in der Nähe des Rembrandthuis bei hochprozentigen Bier aus Belgien und hatten einen tollen Blick auf die vielen kleinen Boote der Einwohner, die alle das Wetter genossen und durch die Grachten zogen.
Kneipe in der Sluyswacht

Das Rembrandthuis
Entenmanie
Nach einem weiteren Bier ging es zugegebenermaßen etwas beschwippst zu Fuß zum Königspalast und dem Dam und von dort weiter bis in die Prinsengracht.
Dort ließen wir dann den Tag im Cafe P96 mit seinem Biergarten direkt auf einem Hausboot bei kleinem Snack und einem weiteren Bier ;-) ausklingen. 
Der Königliche Palast
Der Dam

"Living on the Edge" ;-)
Den letzten Tag begannen wir mit einem sehr leckeren Frühstück im De Laatste Kruimel, das ein super nettes kleines Bistro mit französischen Flair und ungewöhnlichen Möbeln aus Europalletten ist und in einer Seitenstraße am unteren Ende der Rokin liegt. Während unserer späteren kleinen Wanderung durch Amsterdam fiel mir dann erst so richtig auf, dass es tatsächlich fast an jeder Ecke Coffeeshops hat, aus denen auch immer Dunstschwaden herauswabern! ...ist schon irgendwie lustig! :-)
Frühstücken im Bistro "De Laatste Kruimel"
"Skyline" in der Nähe des Hauptbahnhofs
Wer schon mal in Venedig war, fühlt sich bei diesem Panorama direkt daran erinnert.
Ein Marihuanamuseum darf natürlich nicht fehlen.
Einer der schöneren Coffeeshops
Bevor wir am späten Nachmittag unsere Rückreise antraten, relaxten wir noch einmal vom Feinsten auf der Terrasse des Café de Jaren direkt am Wasser der Binnenamstel bei einem Eiskaffee im Sonnenschein. Von dort liefen wir zurück über den Rembrandtplatz bis zum Leidseplein und fuhren schließlich mit der Tram zurück zum Hotel. 
Terrasse des Café de Jaren direkt an der Binnenamstel.
Der Rembrandtplatz mit Statue des selbigen.
Erholt und um viele tolle Eindrücke reicher, ging es dann mit dem Auto zurück nach Hause.
Christian

Sonntag, 2. Juni 2013

Peru: Der Titicacasee

Nach unserer längeren Anreise auf vier Rädern nach Puno gestern, war der heutige Tag komplett den Wasserfahrzeugen auf dem, mit 3.810 Metern höchstem Binnensee der Welt, dem Titicacasee gewidmet.
Der Titicacasee oberhalb von Puno aus gesehen.

Auftakt der Bootstour auf dem Titicacasee - im Hintergrund die Hafenstadt Puno

Der Motor qualmte bereits nach fünf Minuten!
Zunächst einmal kam unser Taxi zum Hafen jedoch viel zu spät und wir hatten schon Panik unser Boot zu verpassen. Offenbar hatten andere jedoch das gleiche Problem und wir warteten dann noch fast eine halbe Stunde bis wir als eines der letzten Boot endlich ablegten. Ich dachte mir, dass wir das sicherlich mit hoher Geschwindigkeit wieder wettmachen würden, doch als auf einmal der Motor zu rauchen anfing, sollte sich meine Vorstellung buchstäblich in selbigem auflösen. Nachdem uns auch die noch später gestarteten Boote überholten, war klar: Wir hatten wahrscheinlich den ältesten, langsamsten und dank fehlendem Abgasrohr stinkendsten Kahn erwischt, der auf dem ganzen See herumtuckerte! :-)
Naja, aber egal…so blieb wenigstens genug Zeit die wirklich phänomenale Aussicht auf den azurblauen See mit seinen Inseln und den umgebenden Bergen zu genießen. 
Nach ca. 45 Minuten Fahrt waren wir an unserem ersten Ziel, den Uros-Inseln angelangt.
Ankunft bei den Uros-Inseln
Auf den Schilfinseln sind ganze kleine Dörfer errichtet

Auch Boote lassen sich aus dem Material hervorragend bauen....
„Insel“ ist hier genaugenommen eigentlich der falsche Begriff, da es sich um künstliche, frei schwimmende Plattformen handelt, die komplett von Schilf, das zu Pontons zusammengebunden wird getragen werden. Dies ist dabei so stabil, dass die Einwohner darauf sogar ihre Hütten errichten und so jede Insel eine Art Mini-Dorf für sich ist. Als wir dann bei einem dieser Dörfer anlegten und auf der Insel herumlaufen konnten, fühlte sich das schon etwas seltsam an, da der Schilfboden bis zu einem gewissen Maß nachgibt und man sich fragt, ob das Teil wirklich seetüchtig ist. ;-) 
...und auch Wörter schreiben! :-)
Blick auf die anderen Inseln im Hintergrund
Sogar Strom gibt es dank Solarkollektoren.
Frau in typisch bunter Tracht neben ihrem Schilf-Haus.
U.a. wurde uns auch die Bauweise der Schilf-Pontons (Bildmitte) erklärt.
Jeder musste/durfte ein Lied aus seinem Land vortragen.
Die ganze Atmosphäre dort ist trotz der unverkennbaren touristischen Prägung total entspannt und die Farben des golden in der Sonne glänzenden Schilfes in Kombination mit dem tiefblauen See sorgen dafür, dass man sich schnell in diese ganz andere Welt hineinziehen lässt. Wer Lust hatte, konnte sich dann mit einem der ebenfalls aus Schilf gebauten Boote zur Hauptinsel übersetzen lassen, während der Rest mit dem „Stinke-Boot“ Vorlieb nehmen musste.
Wer Lust hatte und bezahlte, konnte dann mit diesem Boot zur Haupt-Insel übersetzen.
Hier legten die meisten Schiffe an und man konnte sich mit einem kleinen Imbiss versorgen, bevor es weiter auf See ging.

Demonstration von altertümlichem Mahlen von Mehl.
Mit selbigem ging es dann auch nach ca. einer halben Stunde weiter zur zweiten und letzten Station des Tages:  Der Insel Taquile und ihren strickenden Männern. 
Die Insel selbst ist komplett Autofrei und so wanderten wir entspannt von der Anlegestelle einen schönen Weg entlang der Häuser und Terrassenfelder mit Blick auf den unter uns liegenden blauen See bis in das Dorfzentrum. 
Ankunfthafen auf der Insel Taquile
Der Wanderweg (hinten links) führte uns einmal quer über die Insel mit ihren Terrassenfeldern.
Ich will nicht nach Berlin....:-)
Männer in der Inseltypischen Tracht
Das Restaurant in dem wir frisch gegrillte Forelle aßen
Einer der berühmten strickenden Männer von Taquile
Hier genossen wir leckere frisch gegrillte Trucha (Forelle), bevor uns unser Guide noch die Geschichte der strickenden Männer und ihrer Handtaschen erklärte: So kann anhand der Art der Handtaschen sofort erkannt werden, ob es sich um einen Ehemann handelt oder ob der Träger noch auf der Pirsch ist. 
Blick auf das Dorf von Taquile

Der Hafen von Taquile. Von hier ging es mit dem Boot wieder zurück nach Puno.

Kleiner Mann - Großer Durst!
Dörfchen am Steilhang des Sees.

Ein schöner Tag neigt sich dem Ende zu: Blick vom Heck des Bootes kurz vor Puno.
Danach ging es eine gefühlte Unendlichkeit wieder zurück mit dem Boot bis nach Puno und wir waren DAS LETZTE Schiff, das bei Dunkelheit in den Hafen einlief. 
…aber toll war der Tag definitiv trotzdem! :-)
Christian