Mittwoch, 4. Dezember 2013

Peru: Fahrt in den Amazonas

Das Dschungelcamp! :-)

Nach der gestrigen Rückkehr aus Machu Picchu und erneuter Übernachtung in Cusco hieß es am nächsten Morgen wieder ganz früh aufstehen, denn nun begann unser letzter und sicherlich auch abenteuerlichster Reiseabschnitt: Die Fahrt in den Dschungel des Amazonas!
Zusammen mit einer einer kleinen Reisegruppe, ging es mit dem Minibus des Anbieters Inkanatura um 06:30 Uhr von Cusco aus los.
Das Tagesziel war die Cock-of-the-Rock Lodge - benannt nach dem gleichnamigen scharlachroten Vogel, dem wir auch noch begegnen sollten. Die Lodge selbst befindet sich im so genannten Bergnebelwald, der schon Teil des Amazonas ist, jedoch aufgrund des etwas kühleren Klimas eine unterschiedliche Flora und Fauna als der tiefer liegende Dschungel des Amazonas aufweist. Gerade für Vogelliebhaber, von denen auch zwei in unserer Gruppe waren, ist der Bergnebelwald aufgrund des Artenreichtums ein wahres Eldorado.
Vogel-Naturschutzgebiet an einem See in der Nähe von Cusco

Auch Kolibris gab es hier
Unser erster Stopp des Tages lag ca. 40 Minuten außerhalb von Cusco und war ein an einem See gelegenes Naturschutzgebiet mit einer Vielzahl endemischer Wasservögel und Kolibris. Unsere beiden Vogelfans wollten entsprechend auch gar nicht mehr wieder in den Bus einsteigen!
Doch wir hatten noch eine recht lange Reise vor uns und so ging es dann weiter über diverse Bergpässe und das von Feldern, kleinen Waldstücken und Dörfchen durchzogene Andenhochland.
Fahrt durch das teils karge Andenhochland

Feldarbeit ist hier ein noch ein echter Knochenjob
Den nächsten kurzen Stopp machten wir an einem Hang, der eine Ansammlung von unzähligen so genannten Chullpas -  aus Lehm und Steinen errichteten Grabtürmen aus der Prä-Inkazeit - bot. 
Hang mit zahlreichen so genannten Chullpas (Grabtürmen)

Die Grabtürme wirkten fast schon etwas "außerirdisch"

Einer der Türme von vorne
und in der Rückansicht
Kurzer Halt in einem kleinen Dorf
Chicha (Maisbier) -Verkäuferin
Um die Mittagszeit erreichten wir den Ajanaco-Pass und plünderten dort im Freien unsere Lunchbox, bevor es hinab in den Bergnebelwald ging. Leider machte der Wald seinem Namen alle Ehre und so versperrten einem die tief hängenden Wolken die Aussicht vom Pass auf den tiefer gelegenen Urwald. Die Fahrt hinab auf der Serpentinenartigen, schmalen Schotterstraße entlang der Berghänge durch immer dichter werdenden Dschungel war jedoch phantastisch! Neben dem tollen Panorama hatten wir auf diversen Stopps die Möglichkeit, unzählige Wasserfälle, exotische Vögel wie den Quetzal oder den bereits erwähnten Nationalvogel von Peru, den Cock-of-the-Rock (Felsenhahn) und sogar eine Brüllaffenfamilie inklusive Mutter mit Baby zu sehen.
Zahlreiche Wasserfälle säumten den Weg
Die etwas abenteuerliche Straße durch in den Bergnebelwald

Eine andere malerisch gelegene Lodge mitten im Dschungel

Diese Pflanze war eventuell von einem Geist besessen! :-)
Affenmutter mit Baby direkt am Straßenrand
Wir hatten das riesen Glück sogar einen Quetzal zu sehen
Der Nationalvogel Perus, der Cock-of-the-Rock (Felsenhahn)
In unmittelbarer Nähe der Straße gab es auch zahlreiche Schmetterlinge
Auch das Abenteuer kam nicht zu kurz, da einem auf der einspurigen und durch keine Leitplanken gesicherten Schotterstraße immer wieder Gegenverkehr vom Motorrad bis hin zum Lkw entgegen kam. 
Unser Bungalow in der Cock-of-the-Rock Lodge mitten im Dschungel
Am Ende erreichten wir aber sicher die mitten im Dschungel gelegenen Lodge und genossen die einzigartige Atmosphäre unseres in Kerzenlicht gehüllten Bungalows und die unzähligen Tiergeräuschen im Dunkel des Waldes.
Christian

Samstag, 16. November 2013

Peru: Machu Picchu und Aguas Calientes

Auf nach Machu Picchu!

Der Panoramazug kurz vor der Abfahrt früh morgens in Ollantaytambo
Nach den spektakulären Orten und Städten, die wir bereits auf unserer Rundreise durch Peru gesehen hatten, war nun das absolute "Must-Have", das jeder Peru-Reisende in seiner Reiseplanung haben muß, gekommen: Unser Zwei-Tagestrip nach Machu Picchu!
Zunächst war geplant, ganz früh morgens um 06:10 Uhr von unserer letzten Reisestation Ollantaytambo aus mit einem Panoramazug durch tiefe Täler nach Aguas Calientes zu fahren, einem kleinen Bergdorf, das unmittelbar unterhalb von Machu Picchu liegt und damit zum Ausgangsort jeder Tour zur berühmten Inka-Tempelanlage wird. Das Wort "geplant" taucht hier deshalb so unschuldig im Text auf, da unsere Lok leider einen formidablen Maschinenschaden hatte und erstmal gar nicht losfuhr. So kam es, dass wir in Aquas Calientes nach einer eineinhalb stündigen Fahrt mit insgesamt über zwei Stunden Verspätung angekommen waren. Die Fahrt selbst war ein schönes Erlebnis, da sich der Zug von dem auf einer Hochebene gelegenem Ollantaytambo durch wolkenverhangene tiefe Bergtäler entlang des rauschenden Bergflusses Urubamba bis hin in die subtropische Umgebung des Zielortes wandt. 
Fahrt entlang der Schlucht und unter uns der wilde Urubamba-Fluß

Angekommen in Aguas Calientes
Endlich aus dem Zug gestiegen und wild darauf gleich nach Machu Picchu aufzubrechen, kam dann die zweite doofe Überraschung des Tages: Keine Spur weit und breit von unserem Guide am Bahnhof und so machten wir uns dann ohne Plan erst mal selbst auf die Suche nach unserem Hotel. 
"Strassenszene" in Aguas Calientes: Die Schienen führen direkt durch die Stadt und an den Restaurants vorbei

Der Stadtplatz mit der Statue des Inkakönigs
Nach ein paar Minuten des Wartens in der Lobby tauchte er dann doch noch auf und war selbst etwas mürrisch, da er meinte auf uns vor zwei Stunden am Bahnhof umsonst gewartet zu haben...unnötig hier zu erwähnen, dass er als Touristenführer sich ja mal beim Bahnpersonal erkundigen hätte können, warum der einzige für diesen Bahnhof erwartete Zug noch nicht da ist! Was ein Kauz! :-) 
Er brachte auch direkt weibliche Begleitung mit und offenbarte uns, dass die Dame heute unser Guide für unsere Wanderung auf den 435 Meter oberhalb von Machu Picchu gelegenen Berg Cerro Machu Picchu sei und er uns erst morgen zur eigentlichen Führung durch die Tempelanlage begleiten würde. An sich habe ich ja nichts gegen weibliche Begleitung, doch diese konnte oder wollte in den nächsten Stunden unserer (Tor)-Tour auf den Berg kein Englisch sprechen. Zudem war sie leider mindestens doppelt so gut zu Fuß wie wir und ließ uns das auch der Art spüren, dass sie immer hunderte Meter vor uns den Berg hinaufspurtete und sich nicht wirklich darum kümmerte, ob wir Bergsteiger-Flaschen evtl. eine Rast gebraucht hätten.
Zunächst ging es jedoch erstmal von Aguas Calientes mit dem Bus, der hier im Pendelverkehr aus einer ganzen Charge von Bussen den Berg hinauf zu Machu Picchu im Viertelstunden-Takt erklimmt. Während sich der Bus über die Serpentinen immer höher schraubt, kann man bereits das beeindruckende Panorama auf die immer kleiner werdende Schlucht in der der Ort liegt genießen. Kurz hinter dem Eingang zu Macchu Pichu bogen wir dann nach links ab und es ging die folgenden drei Stunden auf nicht enden wollenden teils abenteuerlich kleinen und schiefen Treppen hinauf bis zum Gipfelkreuz. 
Geländer? Fehlanzeige!
Blick auf Huayna Picchu

Machu Pichu (links unten), Huayna Picchu (dahinter) und die umgebenden Berge

Ich weiß nicht wie viele Flüche und Verwünschungen wir innerlich und manchmal auch etwas lauter während des Aufstiegs auf unsere Drill-Instructorin losliessen, aber die mit jedem Höhenmeter beeindruckendere Aussicht auf das teils von Wolken bedeckte und dann wieder im Sonnenschein erstrahlende Machu Picchu machte jede Mühe mehr als wett!! 
Ich hatte zudem auch noch das unglaubliche Glück, dass kurz vor dem finalen Aufstieg auf den Bergkamm plötzlich wie aus dem Nichts auf einmal ein riesiger Kondor knapp neben mir um den Berg herum flog, bevor wieder hunderte Meter unter mir das Tal entlang zog.
Auf dem Gipfel angekommen mit Blick auf Machu Picchu und Huayna Picchu



Blick vom Gipfel in das andere links von Machu Picchu gelegene tiefe Tal


Deutlich lassen sich die von der Sonne angestrahlten einzelnen Gebäude und Terrassen Machu Picchus erkennen
Nachdem wir das phantastische Panorama und die Aussicht auf die mehr als 400 Meter unter uns gelegene Tempelanlage von Machu Picchu genossen hatten, nahmen wir dann den nun deutlich kurzweiligeren und weniger anstrengenden Abstieg in Angriff. Unten angekommen, bedankten wir uns nochmal bei unserer Führerin für die "tolle" Betreuung und ließen sie wissen, dass wir von nun an gern allein durch die Anlage streifen und dann wieder zurück ins Hotel fahren würden. Ich glaube sie war darüber genauso froh wie wir und ihre Zustimmung und Verabschiedung und kam wie aus der Pistole geschossen! ;-)
Der klassische "Postkartenblick" auf Machu Picchu...

....und aus einer etwas tieferen Perspektive.

Die im Zentrum der Stadt gelegene beeindruckende Treppe
Die "Ureinwohner" :-)
So mancher ging lieber aus dem Weg, wenn die "Crew" kam
Was  guggsddu? ;-)
Am Abend streiften wir noch etwas durch das nette Aguas Calientes und aßen in einem der zahlreichen Restaurants. Leider war das Essen eher Mittelmaß und nicht nur uns, sondern auch anderen Gästen wurde offenbar auf die Rechnung noch eine Fantasie-Touri-Steuer aufgeschlagen. 
Daher hier der Tip am besten vorher danach fragen und dann ggf. ein anderes Restaurant aufsuchen.

Am zweiten Tag ging es dann ganz früh morgens um 05:30 Uhr mit den ersten Bussen und unserem Guide, der uns gestern vom Bahnhof abholen sollte und diesmal sogar überpünktlich war, wieder hoch nach Machu Picchu
Tolles Licht morgens in Machu Picchu

Auch an MP kann man sehr gut erkennen, wie gut die Inka ihre Bauten mit der Landschaft verschmelzen ließen

Hohe Präzision war das Markenzeichen des Mörtelfreien Mauerbaus
Eine Treppe als Teil eines Felsens
Ein einem Kondor nachempfundener Tempel: die Steinplatte in der Mitte stellt den Kopf dar, dahinter die Flügel.
Trotz der Höhe der Stadt gab es eine funktionierende Wasserversorgung
Dort entpuppte er sich dann doch als eigentlich ganz nett und gab uns eine gute und ausführliche Führung durch die Anlage. Wir ernteten auch ein paar neidische Blicke der anderen Touristen, als er sich extra für uns noch in traditionelle Tracht hüllte und für Fotos posierte. 
Unser Guide in Tracht
Würde man Huayna Picchu drehen, hätte man eine fast perfekte Kopfform
Blick auf den zentralen Platz in der Mitte des Bildes

....und noch einmal von der anderen Seite aus.

Im Wohnviertel der Stadt...."Living on the edge!" ;-)
Nach beendeter Führung zogen wir allein weiter, um den Aufstieg auf den Huayna Picchu, von dessen ca. 300 Meter höher gelegenen Tempelanlage man einen fantastischen Blick auf Machu Picchu hat, zu wagen. Da aufgrund des beengten und steilen Aufstiegs pro Tag nur 400 Leute hochgelassen werden, hatten wir die Tickets auch bereits in Deutschland bestellt. Um 10 Uhr öffneten sich dann für uns als zweite Gruppe des Tages die Pforten des Kontrollhäuschens und wir liefen mit etwas gemischten Gefühlen los, da wir beide nicht ganz schwindelfrei sind und die Passage von unten doch sehr steil und nah an den Abgrund gebaut aussah.
Der Kontrollpunkt zum Aufstieg auf Huayna Picchu
Glücklicherweise war der Weg dann doch überraschend gut auch für uns "Normalos" zu schaffen und an besonders engen Stellen bot immer noch ein zusätzliches Stahlseil zum Greifen guten Halt. 
Der teils recht steile und schmale Pfad nach oben
Blick auf Machu Picchu. Links im Bild die Serpentinenstrasse der Pendelbusse. Im Hintergrund der Cerro Machu Picchu.

Rechts der Tempel- und Wohnbereich der Stadt, links die Terrassenfelder zur Nahrungsversorgung.
Unglaublich, dass selbst auf dem schmalen und extrem steilen Huayna Picchu quasi jeder Zentimeter bebaut wurde!
Nach ca. eineinhalb Stunden oben angelangt, war der Ausblick auf Macchu Pichu und die umgebenden Berge sowie die Ruinen von Huayna Picchu -ebenso wie gestern - der mehr als ausgleichende Lohn für die Mühen des Aufstiegs. 
Auf dem Gipfel von Huayna Picchu

Der "Beweis", dass wir dort waren! :-)
Der Abstieg über diese Treppe war wirklich nichts mehr für Leute mit starker Höhenangst

Ein Geländer gab es hier leider auch nicht
Von hier aus ging es dann wieder den schmalen Pfad hinab
Wieder zurückgekehrt nach Aguas Calientes, aßen wir diesmal lecker und ohne über den Tisch gezogen zu werden in der Pizzeria Hot Springs zu Mittag - meine bessere Hälfte peruanische Causa Rellena (kalter geschichteter Kartoffelbrei mit Thunfisch und Gemüse) und ich weniger peruanische aber nicht minder leckere Tacos. 
Das empfehlenswerte Restaurant Hot Springs
Gesättigt ging es dann diesmal mit dem Vistadome Panoramazug wieder bis zurück nach Cusco bzw. Poroy. Der Zug war noch etwas komfortabler als unsere Expedition-Variante von der Hinfahrt und mit Ledersitzen ausgestattet und es wurde noch ein Lunch serviert, der aufgrund der Stoffservietten hohe Erwartungen an das Essen erweckte. Das Selbige fiel dann jedoch eher spartanisch aus und sorgte für so manches Gelächter und sarkastische Bemerkung der anderen Gäste. 
Fahrt zurück nach Cusco
Der "pompöse" Lunch im Zug
Das größte Gelächter bei mir sowie gepflegte Fremdscham löste jedoch die folkloristische Tanzeinlage und Modenschau der Crew aus, die einen wie auf einer Shoppingsender-Butterfahrt fühlen lies. Wobei es anscheinend genau den Geschmack der brasilianischen Reisegruppe traf, die sich köstlich amüsierte und auch gleich mittanzte....naja evtl. bin ich dann dafür einfach doch zu spießig! ;-) 
Nach insgesamt dreieinhalb Stunden Fahrt mit kontinuierlicher Beschallung durch die immer gleichen fünf Panflötenlieder hatten wir es dann überstanden und erreichten Poroy. 
Abgesehen von den, für einen so populären Ort wie Machu Picchu wohl unabdingbaren Touri-Nepp, kann ich jedem Peru-Reisenden abschließend nur empfehlen, das Land nicht eher zu verlassen, bis man einmal durch die Tempelanlage spaziert und eventuell auch noch wie wir von einem der beiden Berge das phänomenale Berg-Panorama und den Blick auf Machu Picchu genießen konnte!
Christian